Marilyn Monroe sang einst "Diamonds are a girl’s best friend". Der beste Freund eines Auktionshauses sind die Edelsteine allerdings nicht, wie Sotheby’s schon öfter erfahren musste. So wurde der rosafarbene Diamant "Pink Star" zwar im April in Hongkong für umgerechnet gut 71 Millionen US-Dollar inklusive Aufgeld versteigert. Doch der Käufer, die lokale Juwelenhandelskette Chow Tai Fook, holte ihn nicht ab und hat ihn bisher auch nicht bezahlt. Sotheby’s äußert sich nicht offiziell zu dem Fall, soll dem Käufer nun aber eine Zahlungsfrist bis April nächsten Jahres eingeräumt haben.

Auf dem "Pink Star" war das Auktionshaus schon einmal sitzen geblieben. Bei einer Auktion in Genf 2013 hatte der New Yorker Diamantenschleifer Isaac Wolf den Stein für umgerechnet 83,2 Millionen Dollar ersteigert, ihn aber auch nicht bezahlt. Also nahm Sotheby’s den Diamanten in sein Inventar auf. Dort liegt er bis heute.

Über nicht eingelöste Zuschläge, sogenannte Deadbeats, sprechen die Versteigerer ungern. Sie fürchten um ihr Renommee. Doch es gibt sie regelmäßig, vor allem bei neuen Rekordsummen. Ein frühes Beispiel sind die Irisblüten von Vincent van Gogh. Das Gemälde wurde 1987 für 53,9 Millionen Dollar versteigert, damals eine Rekordsumme. Doch bald wurde bekannt, dass Sotheby’s dem australischen Unternehmer Alan Bond die Hälfte der Summe als Kredit eingeräumt hatte, den er dann nicht ablösen konnte. Inzwischen hängt das Bild im Getty-Museum in Los Angeles.

Oft fällt nach einer solchen Pleite der Wert eines Kunstwerks. So brachte die Erstausgabe von Baudelaires Les Fleurs du Mal mit einer Widmung des Autors 2009 beim Auktionshaus Gros & Delettrez in Paris zunächst 775.000 Euro. Weil der Bieter aber nicht zahlen konnte, wurde das Buch wenig später erneut ausgerufen – und brachte nur noch 200.000 Euro. Auch Damian Hirsts Lullaby Winter stieg 2007 bei Christie’s in New York bis auf 7,4 Millionen Dollar, wurde jedoch nicht bezahlt. 2015 brachte es in London dann nur noch etwas mehr als halb so viel ein. Sechs Gemälde von George Stubbs, Andy Warhol und anderen, die der amerikanische Medienunternehmer und CNET-Gründer Halsey Minor trotz Zuschlags nicht eingelöst hatte, verloren später ebenfalls stark an Wert.

Zahlreiche Gründe veranlassen Ersteigerer, den Weg zur Kasse zu meiden. Manche vergessen in der Wettbewerbsatmosphäre einer Auktion die eigenen finanziellen Grenzen. Wie 1993 der Schweizer Uhrenhändler Edgar Mannheimer und der Direktor des Bonner Instituts für Diskrete Mathematik, Bernhard Korte. Sie trieben eine rare Rechenmaschine von 1820/22 von geschätzten 20.000 Pfund bis auf 7,7 Millionen Pfund, die Christie’s jedoch nie erhielt. Anderen Bietern wird erst nach dem Zuschlag klar, dass ihnen nicht gefällt, was sie ersteigern ließen. Deshalb wurde Sotheby’s die beiden Gemälde des Salonmalers William Adolphe Bouguereau nicht los, die Michael Jackson im Oktober 2002 für 1,3 Millionen Dollar zugeschlagen worden waren. Und um politische Schlagzeilen ging es 2009 Cai Mingchao, dem Geschäftsführer eines Auktionshauses in Xiamen. Er ersteigerte für 34,1 Millionen Euro aus dem Nachlass von Yves Saint Laurent die Bronzeköpfe eines Hasen und einer Ratte, die einst die Wasseruhr im Yuanmingyuan-Palast vor Peking schmückten. Unmittelbar danach erklärte er, er habe nur mitgeboten, um auf das Unrecht hinzuweisen, dass diese Schätze im Opiumkrieg 1860 geplündert und illegal nach Europa gebracht worden seien.

Kaum weniger Wirbel gab es um eine Vase aus der Qianlong-Zeit, die der Versteigerer Peter Bainbridge aus London 2010 zunächst auf höchstens 1,2 Millionen Pfund schätzte, dann aber bei 51,6 Millionen Pfund losschlug. Doch der ungenannte Käufer aus China hatte keine Lust zu zahlen. Er habe den Betrag lediglich als Verhandlungsbasis für einen kräftigen Nachlass betrachtet, lauteten später Gerüchte. Denn Chinesen, das ist kein Geheimnis in der Branche, sehen in der Versteigerung oftmals nur das Ausloten eines Preises, über den man anschließend mit dem Verkäufer wie dem Versteigerer feilsche. Ein bis zwei Fünftel der höheren Zuschläge, fand der Verband der chinesischen Auktionatoren heraus, seien solche Deadbeats.

Rechtlich sind die Ersteigerer allerdings an den Zuschlag gebunden. Sie müssen den Preis zahlen und das Aufgeld, also die Gebühr für den Auktionator, oder Schadensersatz leisten. Schwieriger ist es jedoch, solche Forderungen auch praktisch durchzusetzen. Deshalb fordern die meisten Versteigerer – in Hongkong ebenso wie in den westlichen Hauptstädten – bei anspruchsvolleren chinesischen Objekten mittlerweile Sicherheiten. Mitbieten darf nur, wer eine Kaution von etwa einem Fünftel der Taxe hinterlegt, also dem Schätzpreis. Kunst zu versteigern ist eben manchmal eine ganz eigene Kunst.