Michael "Bully" Herbig gibt gern den Apachen. Servus. Aber vielleicht ist er doch eher ein Komantsche. Über die Komantschen haben wir beim Western-Regisseur John Ford erfahren, dass sie ein erschöpftes Pferd, statt es freizulassen oder zu erschießen, noch hundert Meilen reiten und es dann aufessen. Dieses leicht ins Komantschen-Feindliche lappende Statement wird in Bullyparade – Der Film übererfüllt. Herbig reitet seinen Comedy-Gaul zu Tode, und dann wird er ... na ja. Jedenfalls werden Figuren und Motive seiner TV-Arbeiten und Spielfilme noch einmal durchgekaut, die Winnetou-Parodie, die Sissi-Klamotte und die Enterprise-Travestie, dazwischen eine The Wolf of Wall Street-Reminiszenz und als Rahmenhandlung noch einmal eine Berliner-Mauer-Plotte. Per Zeitreise wird die deutsche Wiedervereinigung in letzter Minute verhindert. Warum? Um einen David-Hasselhoff-Auftritt zu verhindern. David Hasselhoff, echt jetzt! Fehlt bloß noch ein Chuck-Norris-Witz. Kommt prompt. Und Peter Maffay und Til Schweiger und Klonkrieger und ein "Planet der Frauen" und Luftballonschlangen zwischen den Beinen und Männer in Frauenkleidern, und natürlich darf der Gag von der "Gesamtsituation" nicht fehlen. Ein Kavallerie-Offizier heißt General Motors, und wieder spricht einer dieses dämlitsche Pseudo-Tschechitsch. Wenn man es nett sagen will, dann können hier die Fans Abschied vom Bullyversum nehmen, alles wird noch einmal vorbeigezogen, bevor endgültig Schluss ist. Hoffentlich. Wenn man es weniger nett sagen will, dann werden wir hier an einer Ideen-Resterampe bedient. Oder eben: Ein Pferd, das nicht mehr vorwärts kann, wird vor unseren Augen geschlachtet.

Vielleicht liegt hier auch ein Problem der deutschen Filmkomödie im Allgemeinen. Denn eigentlich gibt es gar keinen deutschen Humor. Was es allerdings gibt, ist ein bayerischer, ein ostfriesischer, ein sächsischer, eben ein regionaler Witz, der eng mit dem jeweiligen Dialekt verbunden ist. In der kleinen Form, auf der Bühne und im Fernsehen, kann man dem Regionalismus durchaus Zucker geben, für den langen Spielfilm sieht die Sache schon anders aus. Damit sind zwei Grundprobleme der deutschen Filmkomödie schon benannt, nämlich erstens die Notwendigkeit, regionale Lachkulturen in ein nationales Genre zu überführen (und dann geht die Problematik im europäischen Maßstab weiter: Die deutsche Grenze ist in aller Regel auch eine Humorgrenze). Und zweitens die Tatsache, dass das deutsche Kino auf den Comedy-Fundus des deutschen Fernsehens zurückgreifen muss. Kurzum: Eine deutsche Filmkomödie muss das, worüber wir gemeinsam lachen (dürfen/sollen), erst selber konstruieren. So findet das Genre nie zu einem natürlichen Fluss; es trifft alles Mögliche, nur nicht unser wirkliches Leben.

Die Tricks dafür sind schnell benannt: Statt, zum Beispiel, ein bayerisches oder ein sächsisches Lachen zu generieren, generieren wir ein Lachen über das Bayerische oder das Sächsische. In Bullyparade – Der Film wird das exzessiv durchgespielt. Das Bayerische weicht gewissermaßen den harten Kern der parodierten Helden auf, das Sächsische dient als Ausweis für Sturheit und konsequentes An-die-Wand-Rennen (vorgeschobene Unterlippe inklusive).

Hinzu kommt das Prinzip der ewigen Wiederkehr. Wir lachen, wie es scheint, am liebsten über das, worüber wir schon einmal gelacht haben. Und über das, worüber schon unsere Eltern gelacht haben. Die erfolgreichsten deutschen Filmkomödien der Gegenwart sind pointentechnisch tief in den sechziger Jahren verwurzelt oder zitieren Witze und Schauspieler dieser Zeit, wie es auch in der Bullyparade geschieht (der arme Josef Meinrad!). Die angelsächsische Kunst des Running Gag besteht darin, das Immergleiche auf überraschende Weise zu variieren oder in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Die teutonische Kunst der lachtechnischen Wiederholung dagegen besteht darin, die Handlung so zu konstruieren, dass genau das eintritt, worauf wir gewartet haben.

Was uns zur Frage führt, mit wem oder über wen wir eigentlich im Kino lachen (wollen). In der Bullyparade und Herbigs Kinofilmen Der Schuh des Manitou und T(R)aumschiff Surprise hat sich dazu ein bewährtes Rollenspiel entfaltet: Der straight man – Christian Tramitz, der ständig von den Eskapaden seines Gegenübers genervt ist, der wuselige, polymorphe Kind-Mann Herbig, der umso mehr Unheil anrichtet, als er Anerkennung und Eigenständigkeit verlangt, und der maskenreiche Rick Kavanian, der dieser Konstellation mal als Störenfried, mal als Opfer und mal als Ergänzung gegenübersteht. All das zusammen funktioniert am besten noch in der ersten, der Western-Episode des Films: Zwei Kindsköpfe, die Old Shatterhand und Winnetou spielen und in ein selbstvergessenes Quatschmachen verfallen – Quatsch über große Vorbilder, die man genüsslich durch den Kakao zieht, aber tief im Herzen nostalgisch liebt.

Dieser Effekt ist aber nicht beliebig reproduzierbar. In Bullyparade – Der Film kommt er als schwerer Bumerang zurück. Wenn wieder einmal ein Gag versandet, wieder einmal aufwendig, aber einfallslos getanzt wird, fragt man sich unwillkürlich: Was hätte man mit dem Geld für diese Szenen anfangen können! Nach einem gefühlten Film-Drittel erscheinen auf der Leinwand sich bewegende Schattenrisse. Das seien die Kritiker, die den Film verließen, heißt es dazu. Aber nein, wir sitzen das aus. Denn wir sehen dabei zu, wie ein Kapitel in der Geschichte der deutschen Filmkomödie, die nostalgisch-ironische Genreparodie, das "unschuldige", antipolitische Herumalbern mit vergangener nationaler Pop- und Trashkultur, abgeschlossen wurde. Das Pferd, auf das wir einschlagen könnten, lebt nicht mehr.