Champagner trinken in der Karibik, Flanieren in Manhattan, Räkeln am Pool auf Ibiza: Auf ihren Fotos im sozialen Netzwerk Instagram pendelt Xenia van der Woodsen zwischen Luxusresorts, Boutiquen am Neuen Wall und der Abflughalle des Flughafens. Die 26-Jährige arbeitet als "Influencer", Marken bezahlen sie für dafür, auf Handyfotos mit Designertaschen und Luxuskleidern zu posieren und die Bilder für rund eine Million Fans im Internet zu veröffentlichen.

DIE ZEIT: Frau van der Woodsen, wie sind Sie Influencer geworden?

Xenia van der Woodsen (VdW): Ich hatte immer Lust auf einen besseren Lifestyle, bin gern gereist, fand Klamotten toll. Während meines dualen Studiums habe ich viel gearbeitet: hauptberuflich bei einem Investmentfonds, nebenbei als Verkäuferin, als Aushilfe auf Messen und in Clubs. Trotzdem kam ich auf nicht mal 1.000 Euro im Monat. Dann kam die erste Anfrage einer Firma, ich sollte eine Foodbox posten, für 50 Euro.

ZEIT: 50 Euro für ein Handyfoto?

VdW: Ein Witz, heutzutage würde man dafür wahrscheinlich das Zehnfache bekommen! Ich hatte ja schon 70.000 Follower.

ZEIT: Was würden Sie heute dafür kriegen?

VdW: Einen vierstelligen Betrag.

ZEIT: Wann realisierten Sie, dass Sie mit diesem Leben Geld verdienen können?

VdW: Das wurde mir bei 100.000 Followern und einem Auftrag für 150 Euro klar. Damals dachte ich: Krass, ich poste ein Foto und verdiene damit, was ich mit anderen Jobs an einem ganzen Tag verdiene.

ZEIT: In Ihrem Blog steht, dass Sie als Kind gehänselt wurden. Zitat: "Deswegen habe ich jetzt lange blonde Haare, zehn Kilo weniger, schminke mich und gehe nie ungestylt aus dem Haus."

VdW: Ich war als Kind sehr unsicher. Noch in der Uni haben sich die Leute über meinen Instagram-Account lustig gemacht. Mittlerweile schreiben sie mir: "Wir haben doch zusammen studiert ..." Wenn die sich schon damals nicht für mich als Person interessiert haben, möchte ich ihr Interesse jetzt auch nicht.

ZEIT: Heute posten Sie hauptsächlich Mode.

VdW: Ich hatte zum Glück den richtigen Riecher, dass Instagram als Plattform für den Modebereich wichtig wird. Mit meinem Blog habe ich mich strategisch auf High-Fashion umpositioniert.

ZEIT: Weil mehr Geld drin steckt?

VdW: Das war nicht das Hauptmotiv. Mit Fashion hast du einfach viel mehr Möglichkeiten, dich auszudrücken. Es ist eine künstlerische Freiheit, sich jeden Tag anders zu kleiden. Mal bin ich das Mädchen von nebenan, im weißen Top, mal fühle ich mich eher edgy, trage Schwarz und Biker-Boots.