Der bayerische Kabarettist Gerhard Polt bringt es auf den Punkt: Beim Italiener lässt er einen Unverbesserlichen auf zusammengeklaubtem Italienisch bestellen. Das sprachliche Trauerspiel gipfelt in der Order eines Kaiserschmarrens als "Narretia dell’Imperatore". Die Küche sei schon geschlossen, antwortet daraufhin der Kellner ungerührt – im breitesten Bayerisch. Die kleine Geschichte um die verunglückte sprachliche Anbiederung bringt den verkrampften Umgang der Deutschen mit ihrer eigenen Sprache auf den Punkt. Ich jedenfalls störe mich daran, dass in nicht wenigen Berliner Restaurants ausschließlich nur noch auf Englisch bedient wird. Das betrifft sicher nicht die hauptstädtischen Randbezirke. Aber in vielen zentralen Kiezen, in Mitte, Prenzlauer Berg oder Neukölln greift das Phänomen in den letzten Jahren immer weiter um sich. In Kreuzberg gibt es inzwischen bei "Foodbloggern" sehr angesagte "Eateries", die es nicht einmal für nötig befinden, für den Notfall eine deutschsprachige Karte bereitzuhalten. In Paris, wo man auf seine kulturellen Eigenheiten mit Recht sehr stolz ist, wäre so etwas undenkbar. Hier im angesagten Berlin dagegen halten es viele inzwischen für normal. Sie interpretieren es als einen Ausweis kosmopolitischer Kompetenz, sind sogar stolz darauf. Mich aber ärgert es, wenn in Teilen der deutschen Hauptstadt die deutsche Sprache immer weiter ins Hintertreffen gerät. Besonders skurril wird es, wenn ich mitbekomme, wie sich Gast und Kellner in einer angesagten "Location" auf Englisch unterhalten – beide aber dabei einen fetten deutschen Akzent erkennen lassen. Zwei Deutsche, die sich in der deutschen Hauptstadt auf Englisch unterhalten – ist das cool und kosmopolitisch? Oder nicht doch eher peinlich provinziell?