Glaubt man Barbara Müller, Professorin für Kirchengeschichte an der Universität Hamburg, haben Daenerys Targaryen, die "Mother of Dragons" aus der amerikanischen Erfolgsserie Game of Thrones und der biblische Moses einiges gemeinsam. Einen langen Weg durch die Wüste, so Müller, und den Glauben, dass am Ende das Gute siegt. Klingt banal? Ist es auch. Anstatt Fernsehserien als das zu nehmen, was sie sind: gute oder schlechte Unterhaltung, gibt es seit einiger Zeit den Trend, sie philosophisch-theologisch auszudeuten. Über den Existenzialismus bei den Simpsons etwa hat William Irwin vom King’s College vor einiger Zeit ein unterhaltsames wie überflüssiges Buch veröffentlicht. Und dass Harry Potter unsere Jugend mit Okkultismus und Teufelskram fürs Leben verzaubert, gilt in katholisch-konservativen Kreisen schon deshalb als gesetzt, weil es die Publizistin Gabriele Kuby vor zehn Jahren behauptet hat. Daenerys, die in der US-Serie gerne auf ihren Drachen durch Westeros fegt, wenn sie nicht von Welteroberung träumt oder sich mit einem Lustkrieger durch die Betten rollt, kann demgemäß nichts dafür, dass kluge Menschen wie Müller mit ihren (Bett-)Geschichten Theologieseminare füllen. Irgendwann ist das wohl so, wenn andere in einem die popkulturelle Heilsfigur zu sehen glauben. Ob Daenerys das gefällt, ist egal: Wie in der Serie, die gerade in ihre finale Phase geht, so ist sie auch in der realen Welt nur eine Projektionsfläche für die mal mehr und mal weniger schmutzigen Fantasien der anderen. Gefangen zwischen Vamp und Gott, hat sie nichts zu wollen, ist allmächtig und ohnmächtig zugleich. Das lässt sie rätselhaft erscheinen, obwohl es nichts zu rätseln gibt.