Mein Mann Torsten ist Koch. Ich werde beglückwünscht, wenn ich das erzähle. Jackpot, endlich ein Mann, der sich ums Essen kümmert. Ganz so ist es aber nicht.

Wenn mein Mann um 22.30 Uhr nach Hause kommt, hat er etwa 70 Gäste mit gutbürgerlichen Gerichten bekocht, mit Schnitzel und Bratkartoffeln. Das Letzte, was er dann tun möchte, ist kochen. Die meisten Abende verbringen wir sowieso getrennt, schließlich herrscht im Restaurant Hochbetrieb, wenn Leute mit einem Bürojob wie ich Feierabend machen.

An seinen freien Abenden geht mein Mann gern essen. Erst diskutieren wir eine halbe Stunde, wo wir hingehen könnten. Hier stört ihn das Ambiente, dort passt ihm der Koch nicht. Beim Essen pflückt er dann alles auseinander, nennt jeden Geschmacksverstärker mit Menge und Namen. Nach zwölf Jahren Ehe schmecke sogar ich schon heraus, wenn die Küche mit Glutamat schummelt.

Samstagvormittags gehen wir einkaufen. Im Restaurant verkocht Torsten täglich acht Kilo Kartoffeln, acht Kilo Fleisch, 50 Eier und sechs Salatköpfe. Im Supermarkt aber schlendert er durch die Gänge und bestaunt die winzigen Verpackungen. Für ihn ist das ein Ausgleich zum Großmarktalltag. Ein Kilo Mehl, bist du dir sicher, dass das reicht?

Einmal habe ich ihn gebeten, noch einen Salat mitzubringen. Als ich nach Hause kam, standen zweieinhalb Kilo Feldsalat auf unserer Küchenzeile. Sein Gefühl für Größen ist etwas gestört. Besonders fasziniert ist mein Mann von Fertigsaucen und Pulvergewürzen. Servierfertig in nur fünf Minuten. Wirklich? Muss er mal ausprobieren. Seine Saucen ziehen Stunden.

Zu Hause kommt ihm alles winzig und beengt vor. In unserer Küche fühle er sich wie ein Elefant im Puppenhaus, sagt er. Im Restaurant bedient er sich an 60 Töpfen und Pfannen. Ein Gehilfe nimmt ihm die dreckigen Schüsseln aus der Hand, spült sie und bringt sie wieder in Position. Wenn er zu Hause kocht, stapelt sich deshalb das benutzte Geschirr. Er stiftet ein einziges Chaos.

Manchmal versuche ich für Torsten zu kochen. Aber ich muss nur anfangen, die Zucchini in halbwegs gleichmäßige Stücke zu schneiden, da greift er schon ein. Das falsche Messer, die falsche Schneidetechnik. Und der Ofen hält auch nicht exakt 187,5 Grad. Eine Zumutung! Mein Mann verliert dann die Geduld. Und ich verlasse die Küche.

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Protokoll: Luisa Thomé