Sie ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken: die Gentrifizierung. Gehasst, geliebt, von Journalisten gern beschrieben, wenn ihnen sonst nichts einfällt. Die einen wollen endlich von ihren Billigmieten erlöst werden, den anderen ist schon schlecht vom vielen Avocado-Brot. Aber wie entsteht Gentrifizierung eigentlich? Wer das verstehen will, der muss Olaf Poschmann besuchen, in seinem Büro in Bonn-Bad Godesberg. Seit 30 Jahren plant der 61-jährige Verwaltungsbeamte von hier aus die Gentrifizierung in Deutschland, als Ombudsmann beim zentralen Lenkungsausschuss für Strukturwandel und authentischen Kaffeegenuss. Poschmann rollt im ergonomischen Gesundheitsbürostuhl herüber und begrüßt den Reporter mit einer freundlichen Kopfnuss. "Erst mal eine Hose anziehen", lacht er. Wer Poschmann unterschätzt, hat aber schon verloren. Hier im feudalen Asbest-Anbau des Postministeriums haben sie für ihn viele Spitznamen: Teufel der Torstraße, Schlächter des Schanzenviertels, Honigbärchen. Poschmann war es, der sich den third wave coffee und den Vollbart ausgedacht hat, den Chai-Latte und das Vintage-Rennrad. Eigenhändig hat er an jeder deutschen Straßenecke ein Burger-Restaurant eröffnet. Sein letzter großer Streich: die Rückkehr des Filterkaffees. Poschmann tippt ein paar Zahlen in seinen Windows-95-Computer, kleine Rauchwolken steigen über dem Monitor auf. "Lustige Geschichte", sagt er, "auf die Idee kam eigentlich meine Frau, als ich sie drei Tage an einer Autobahnraststätte im Bergischen Land vergessen hatte."

Wie lässt sich das Genie, der Künstler Poschmann fassen? Und warum hat er seine Hose immer noch nicht gefunden? Poschmann seufzt, wird nostalgisch. "Es ist härter geworden", gibt er zu. "Nicht mehr wie damals, 1990, als sie mir Berlin zugeteilt hatten." Ein besonders schwerer Fall. Poschmann erzählt noch einmal die Geschichte, wie er sich für die unbeliebte Provinzstadt dann Techno ausgedacht hat, zusammen mit seinem alten Schulfreund Karsten Fleischmann. "Drüben im Godesberg Eck hatten wir schon drei, vier Kölsch getrunken, als uns das einfiel!" Plötzlich erinnert sich Poschmann daran, dass er das Berghain ja diese Woche abreißen wollte. Der sympathische Schreibtischtäter macht sich eine Notiz in seinem iPod. Er muss jetzt los. Aber was kommt als Nächstes, wollen wir zum Abschluss wissen. "In Zukunft arbeiten wir mehr mit Ton. Auch Emulsionen sind gerade ein großes Thema. Damit könnten wir endlich den Wedding knacken und Bremerhaven." Ruhestand, daran denkt er noch lange nicht. Er schwingt sich auf sein Elektrorad und winkt uns noch einmal zu. FINIS