Im Fitnesscenter, Berlin-Lichterfelde, Umkleideraum. Er, nackt, tropfend, muskulös, längere Haare und Typ umweltbewusster, aber erfolgreicher Innenarchitekt, tut so, als bemerke er mich nicht, schließt sein Fach auf und legt sein nasses Handtuch so auf die Bank, dass es mein bereitgelegtes frisches Unterhemd berührt.

Ich: Ich mache mal etwas Platz.

Ich entferne mein Unterhemd.

Er: Kein Problem.

Dann versucht er, seine Sporttasche auf die Bank zu stellen, was aber nicht geht, da dort meine übrigen Sachen liegen.

Ich: Ich rücke mal etwas zur Seite.

Ich mache etwas mehr Platz. Er schweigt.

Ich (ironisch bis leicht gereizt): Hier müsste zur Not auch Platz für zwei sein.

Er schweigt weiterhin und checkt, nun immerhin mit Unterhose bekleidet, sein Handy.

Ich: Dann will ich mal.

Er checkt sein Handy mit der einen Hand, und mit der anderen Hand nimmt er seine Garderobe aus dem Schrank und hängt sie an beinahe sämtliche der über der Bank angebrachten Haken. Ein Anzugträger. Anzug mit Krawatte. Letztere bekommt einen eigenen Haken. Ich räume pedantisch meine Sachen zusammen und gebe dabei zwei Drittel der Bank frei. Mindestens.

Ich: So, jetzt müsste es gehen.

Er setzt sich breitbeinig hin und tippt etwas in sein Handy. Ich nehme mir vor, mir erst mal die Haare zu föhnen. In dem Moment legt er sein Handy ab und geht zum Föhn. Ich sehe, wie er sich damit nicht die Haare, sondern die Füße trocknet. Zeh für Zeh.

Ich (für mich): Ekelhaft.

Ich nehme mir vor, mir das nicht bieten zu lassen. Sollte er mit dem Föhn seine Füße auch nur ein einziges Mal berühren, werde ich ihn darauf aufmerksam machen, dass das ekelhaft ist. Und schon sehe ich, wie er den Föhn geradezu auf die Zwischenräume zwischen den Zehen draufhält.

Ich: Andere Leute halten sich den Föhn dann an den Kopf. Angenehm ist das nicht.

Er sieht mich an, nur kurz, dann über mich hinweg, denn ein Bekannter taucht auf.

Er (zum Bekannten): Hey!

Der Bekannte (eher rundlich und intellektuell-unsportlich): Na, du halbe Portion.

Er (hoch amüsiert): Du hast es gerade nötig.

Ich (für mich): Toller Humor.

Er scheint begeistert, seinen Bekannten zu treffen, springt auf und geht zu ihm in die nächste Schranknische. Ich sehe beide nicht mehr. Höre sie aber.

Er: Da hat mich gerade einer angepöbelt.

Bekannter: Wer?

Er: Was weiß ich. Graue Glatze. Rentner wahrscheinlich.

Bekannter: Und warum?

Er: Wegen des Föhns.

Bekannter: Was?

Er: Weil ich mir die Füße geföhnt habe.

Bekannter: Weil du dir die Füße geföhnt hast?

Er: Ja, stell dir vor.

Bekannter: Sind wir schon wieder so weit ...

Er: Das habe ich mich auch gefragt.

Ich nehme mein Handtuch und gehe Richtung Toilette, obwohl ich da gar nicht hinwill.