Gibt es schwarze Listen, auf denen Sicherheitsorgane unliebsame Journalisten führen? Diese Frage stellt sich, seit beim G20-Gipfel in Hamburg 32 Journalisten ihre bereits gewährten Akkreditierungen wieder entzogen wurden. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies damals auf Bedenken der Sicherheitsbehörden. Einige Betroffene beantragten daraufhin ein sogenanntes Auskunftsersuchen beim Bundeskriminalamt (BKA). Nun, sechs Wochen später, kommen die ersten Antworten. Mindestens drei Briefe sind inzwischen eingetroffen – in keinem Fall konnte die Behörde ihre Vorbehalte belegen.

Frank Bründel gehört zu den Journalisten, denen die Akkreditierung entzogen wurde. Der Brief, den der Hamburger Polizeireporter nun vom BKA bekam, liest sich wie ein Schuldeingeständnis. Bründels Name habe sich laut BKA auf einer "Arbeitsliste Personenüberprüfung" befunden. Die Behörde räumt jedoch ein, dass die Aufnahme in diese Liste "auf einer unrichtigen Erkenntnislage" beruhe.

Wie konnte es zu der Fehleinschätzung kommen? Das BKA beruft sich in seinem Schreiben darauf, dass ihm entsprechende Daten vom Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz übermittelt worden seien. Demnach sei Bründel während einer Demo am 1. Mai in Hamburg festgenommen worden. Es gebe Anhaltspunkte, dass er "einer gewaltbereiten Bewegung angehört oder diese nachdrücklich unterstützt". Erst auf Nachfrage beim Landeskriminalamt (LKA) Hamburg, heißt es in dem Brief, sei "bekannt geworden, dass Sie entgegen der zunächst übermittelten Erkenntnislage doch nicht Teilnehmer an der revolutionären 1. Mai Demonstration waren".

Tatsächlich war bei Bründel am 1. Mai lediglich eine sogenannte "Identitätsfeststellung" durchgeführt worden – festgenommen wurde er nicht.

Bründel arbeitet als freier Foto- und Videojournalist für verschiedene Hamburger Medien. Er sieht seinen Ruf in Gefahr. "Das ist doch ungeheuerlich", sagt er. "Und ich erhalte trotz dieser schweren Fehler nicht mal eine Entschuldigung vom BKA."

Auch der Berliner Fotojournalist Florian Boillot, zu dessen Auftraggebern Berliner Tageszeitungen wie die BZ oder der Tagesspiegel gehören, tauchte in mehreren Behördendateien des LKA Berlin auf: zum Beispiel in den Sektionen "Innere Sicherheit I" und "Gewalttäter Links", jeweils in Verbindung mit dem Delikt "Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte".

Doch auch hier handelte es sich um eine Panne. Wie die ARD berichtete, hätte Boillots Name aus beiden Dateien längst gelöscht werden müssen, denn vom Vorwurf des "Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte" wurde Boillot im Mai dieses Jahres vom Berliner Amtsgericht freigesprochen.

In den nächsten Tagen dürften weitere Schreiben des BKA bei Betroffenen eintrudeln. Einige der Journalisten, die einen Brief erhalten, werden über die Post wohl überrascht sein: Nur neun der 32 Betroffenen waren zum G20-Gipfel in Hamburg erschienen – und am Medienzentrum abgewiesen worden.

Es könnte also sein, dass die Mehrzahl überhaupt noch nichts von den Verdächtigungen gegen sich weiß.