Raymond Leo Burke lässt nicht locker. Erneut drohte der renitente Kardinal, den Franziskus zuletzt auf die Pazifikinsel Guam (straf-)versetzte, den Papst "formal" korrigieren lassen zu wollen, wenn der ihm nicht zweifelsfrei beantworte, wie das mit dem Kommunionempfang für wiederverheiratete Geschiedene in Amoris laetitia genau gemeint sei. Ein Kardinal maßregelt den Papst? Das ist unerhört, nie da gewesen, revolutionär! So soll es erscheinen. Da spielt es beinahe keine Rolle, dass der, der hier den Aufstand wagt, ziemlich allein dasteht auf weiter Flur. Joachim Kardinal Meisner, der Bruder im Geiste: jüngst verstorben. Benedikt XVI., der Papst der konservativen Herzen: verstummt, von postpontifikalen Sticheleien aus der Klosterzelle abgesehen. Egal: Da steht Burke und kann nicht anders. Der Wahrheit, sagt er, ist er treu ergeben, dem Papstamt seit Franziskus weniger. So gut protestantisch kann Katholizismus sein. Da probt man den Aufstand, wenn sich die Gewissensfreiheit, die in "Amoris laetitia" zur Glaubens- und Handelsmaxime wird, partout nicht vereinbaren lässt mit dem eigenen Gewissen. Da ist die Hierarchie, deren Allmacht man gestern noch verteidigte gegen den Zeitgeist, heute defizitär und der Korrektur bedürftig. Das Primat des Papstes? – Was war das noch mal? Wie, der Papst soll die "volle und oberste Gewalt der Rechtsbefugnis über die ganze Kirche" haben? – So war das aber nicht gemeint im Ersten Vatikanum! Im Dienste einer Wahrheit, die Burke gepachtet zu haben glaubt, macht er sich seine Kirche passend. Es gibt weder eine Instanz noch ein Prozedere, um einen Papst zu zwingen, das weiß Burke. Egal: Autorität lässt sich nicht befehlen. Sie lebt vom freien Willen zur Gefolgschaft. Genau den hat Burke Franziskus nun verweigert. Wer so weit geht, will Beispiel sein und Vorbild. Blöd nur, wenn dann keiner kommt und folgt.