Es braucht keine Atomsprengköpfe, um ganze Städte dem Erdboden gleichzumachen: In Nordkorea standen 1953 vielerorts nicht einmal mehr Ruinen. 18 der 22 größten Städte des Landes waren am Ende des Koreakrieges fast vollkommen zerstört – durch konventionelle Waffen. Und durch das Brandmittel Napalm, das damals in größerem Ausmaß eingesetzt wurde als später in Vietnam.

Am Ende war zwar der Krieg vorbei, einen Frieden aber gab es nicht, nur einen mühsam ausgehandelten Waffenstillstand, der bis heute anhält. Die Koreanische Halbinsel ist der einzige Ort der Welt, an dem der Kalte Krieg noch nicht beendet ist. Und seit 1953 ist kaum ein Jahr vergangen, in dem sich der Konflikt nicht zugespitzt und wieder entspannt hätte, so wie seit diesem Frühjahr gleich mehrmals.

Dennoch unterscheidet sich die aktuelle Situation durch zwei grundlegend neue Entwicklungen. Und beide machen kaum Hoffnung auf eine weniger angespannte Lage in den kommenden Monaten und Jahren.

Zum einen ist Nordkorea unter Kim Jong Un zum ersten Mal in der Lage, die seit 2004 gebauten Atombomben regelmäßig erfolgreich zu zünden. Zudem verfügt es mittlerweile über Trägerraketen, die Teile des US-Festlands erreichen können. Was Kim mit seinen Nuklearwaffen wirklich anfangen will, bleibt offen. Unbestritten ist, dass er mit dem forcierten Aufbau eines nuklearen Arsenals eher innen- als außenpolitische Ziele verfolgt: Kim Jong Un versteht, wie bereits sein Vater Kim Jong Il, Atomwaffen als eine Lebensversicherung für den Bestand seines Regimes. Entsprechende Drohungen haben sich schon früher als probates Mittel erwiesen, um Zugeständnisse zu erzwingen, wie der sogenannte Rahmenvertrag mit den USA von 1994 zeigt, als der Westen Korea plutoniumarme Leichtwasserreaktoren zur Energiegewinnung anbot, wenn es im Gegenzug auf eine Atomwaffenproduktion verzichtet.

Auf der anderen Seite ist 2017 ein US-Präsident angetreten, der die martialische Pose nicht minder liebt. Auch Donald Trumps Markenzeichen sind lautstarke, unüberlegte Äußerungen, und sie sind ebenfalls mehr innen- als außenpolitisch motiviert. Dass Trump sich nach zahlreichen Rückschlägen als entscheidungsstarker Politiker präsentieren will, liegt auf der Hand. Seine am 8. August an Kim adressierte alttestamentarische Prophezeiung, man werde "mit Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat" reagieren, zeigte zudem eine erschreckende Ähnlichkeit mit der Rede, die Präsident Harry S. Truman am 6. August 1945 anlässlich des Abwurfs der ersten Atombombe auf Hiroshima hielt: "Wenn sie [die Japaner] unsere Bedingungen nicht akzeptieren, dann können sie einen Regen der Zerstörung aus der Luft erwarten, wie er noch nie auf Erden gesehen wurde."

Ist das nun das Vorspiel zu einem neuen Koreakrieg, der diesmal auch atomar geführt wird? Einige Nachbarn Nordkoreas, vor allem Japan, bereiten sich tatsächlich auf Raketenangriffe vor, andere, wie Südkorea, das seit mehr als 60 Jahren mit den Drohungen aus Pjöngjang lebt, sehen es gelassener. Lässt sich also etwas aus dem Koreakrieg lernen?

Der Koreakrieg gehört neben dem Vietnamkrieg zu den blutigsten "Kleinen Kriegen" des Kalten Krieges. "Klein" waren diese nur im Verhältnis zur Menschheitskatastrophe einer globalen atomaren Auseinandersetzung. Rund 4,5 Millionen Menschen kamen in Korea ums Leben, davon fast ein Drittel Zivilisten. Der Krieg hinterließ ein geografisch, politisch, wirtschaftlich und sozial tief gespaltenes Land, in dem Annäherungen nach wie vor kaum möglich sind, geschweige denn eine Wiedervereinigung.

Die Teilung Koreas – das einst zu Chinas Einflusssphäre gehörte, bevor es zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter japanische Herrschaft kam – war das Ergebnis der Unfähigkeit der beiden großen Siegermächte von 1945, sich auf eine Nachkriegsordnung zu einigen. Misstrauen, globale Machtkonkurrenz und nicht zuletzt der Wille, den Kalten Krieg zu gewinnen, führten dazu, dass selbst Gebiete, an denen man eigentlich kein unmittelbares Interesse hatte, beansprucht wurden, um sie keinesfalls dem Gegner zufallen zu lassen. So wurden 1948 (ähnlich wie ein Jahr später in Deutschland) aus der sowjetischen und amerikanischen Besatzungszone in Korea die sowjetisch dominierte "Volksrepublik Korea" im Norden und die westlich ausgerichtete "Republik Korea" im Süden, die sich kontinuierlich an der Grenze bekriegten. Als nordkoreanische Truppen am Morgen des 25. Juni 1950 die Demarkationslinie am 38. Breitengrad zu Südkorea überschritten, erschien es daher vielen zunächst wie die Fortsetzung der Grenzkämpfe. Seit Jahren ließ sich kaum unterscheiden, wer Angreifer, wer Angegriffener war.

US-Präsident Truman hatte Südkorea bis dahin keine schweren Waffen geliefert, Stalin hingegen den Norden militärisch aufgerüstet. Hier stand 1950 eine rund 200.000 Mann starke Armee mit Hunderten moderner Panzer und Geschützen sowie einigen Hundert Jagdflugzeugen. In der nach Kriegsbeginn geführten amerikanischen Debatte, wer die Schuld am Krieg trage, kritisierten deshalb viele Kommentatoren – nicht zu Unrecht – die fehlende militärische Präsenz und das im Januar 1950 von Außenminister Dean Acheson öffentlich geäußerte Desinteresse am ostasiatischen Festland. Dies sei geradezu eine Einladung an den Norden gewesen.

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Heute wissen wir, dass Kim Il Sung, der Großvater des heutigen Kim, schon im März 1949 bei Stalin um Erlaubnis für einen Wiedervereinigungskrieg ersucht hatte, aber Moskau sie erst am 9. Februar 1950 gab. Mit eigenen Truppen eingreifen wollte Stalin nicht: Er fürchtete, dass die Sowjetunion der Konfrontation mit den USA noch nicht gewachsen sei. Falls der Sieg nicht so leicht gelinge wie erwartet, solle Kim sich an Mao wenden. Dieser hatte keine Einwände – noch waren die UdSSR und China enge Verbündete.