Anders als in Moskau, Peking und Pjöngjang vermutet, reagierte der Westen schnell und eindeutig, so wie zwei Jahre zuvor während der sowjetischen Blockade Berlins. Ohne den Beschluss des Kongresses abzuwarten, rief Truman den UN-Sicherheitsrat an, der (weil die UdSSR das Gremium boykottierte) noch am selben Tag ein Mandat zur Wiederherstellung der Grenzen erteilte. Die Erlaubnis, militärisch einzugreifen, folgte zwei Tage später.

Zunächst allerdings war Nordkorea überlegen und überrannte den Südteil Koreas bis zum August fast vollständig. Die südkoreanische Armee und die US-Truppen, die erst später durch eine Koalition von Soldaten und Helfern aus 20 UN-Mitgliedsstaaten unterstützt wurden, konnten nur das an der Südostküste gelegene Busan halten, die zweitgrößte Stadt des Landes. Parallel dazu begannen die Amerikaner einen massiven Bombenkrieg, der die Halbinsel bis 1953 bis zur Unkenntlichkeit verwüstete. Nachdem am 15. September unter US-Oberbefehlshaber Douglas MacArthur eine Invasion bei der westlich von Seoul gelegenen Hafenstadt Incheon gelungen war – weit im Rücken der nordkoreanischen Streitkräfte –, konnten die westlichen Verbündeten schließlich bis November 1950 fast ganz Nordkorea besetzen. Auf einmal standen amerikanische Soldaten am Yalu, dem Grenzfluss zu China.