I. Von den Portugiesen gekapert

Seit dem 14. Jahrhundert lieben die Europäer das horrend teure Porzellan aus China. Es ist noch heute unter Sammlern beliebt. Seine Geschichte beginnt mit den Portugiesen, die es seit Mitte des 16. Jahrhunderts in größeren Mengen importierten. Durch sie kam das Blau-Weiß aus Jingdezhen, dem Geburtsort des "weißen Goldes", nach Europa. Doch dieses Handelsmonopol mit dem sogenannten Wanli-Porzellan, das auf vielen Stillleben zu sehen ist, brachen die Niederländer. Die Vereinigte Ostindische Compagnie (VOC) kaperte 1603 ein portugiesisches Schiff und versteigerte die geladenen 1.200 Ballen Seide und 20.000 Porzellane in Amsterdam. Nach den Schiffen, die das Porzellan transportierten, portugiesisch "Caracca", nennt man es bis heute "Kraak"-Porzellan. Dreihundert weitere Schiffe soll die VOC noch bis zur Jahrhundertmitte überfallen haben. Bis dahin war sie darauf angewiesen, was chinesische Händler dem Hauptquartier im heutigen Jakarta lieferten. Auch das war eine Menge: Bis 1789 wurden mehr als 50 Millionen Stücke Porzellan in China und Japan für den Export produziert und nach Amsterdam geschickt.

II. Massenware und Wappenteller

Was die Europäer genau haben wollten, wussten die Chinesen nicht. Deshalb übergaben die Niederländer ihnen Modelle für Henkeltassen, Kerzenleuchter, Barbierschalen, Trinkbecher, Krüge sowie Vorlagen für die Bemalung. Neben der Massenware wurden spezielle Stücke bestellt wie etwa Services mit dem Wappen eines Fürstenhauses. Wegen der langen Seewege vergingen gut zwei Jahre, ehe die Bestellung ankam. Die Preise waren entsprechend hoch. August der Starke zahlte beispielsweise für zwei Vasen 24.000 Reichstaler. Zum Vergleich: Mit 200 Reichstalern bekam man damals schon ein Haus.

III. Japan als Notlösung

Jingdezhen wurde zerstört, als 1644 die Ming- der Qing-Dynastie weichen musste. Zu dieser Zeit lernten die Japaner durch koreanische Gefangene das Porzellanbrennen. 1616 soll der erste Ofen im japanischen Arita gebaut worden sein – um Porzellane nach chinesischem Vorbild fertigen zu können. Bald übertrafen die Japaner die handwerklichen Fähigkeiten der Chinesen. Nachdem Kakiemon 1666 erstmals Farben entwickelt hatte, die man nach dem Brennen aufbringen konnte, gab es nicht mehr nur das blau-weiße "Arita", sondern auch das nach dem Ausfuhrhafen benannte farbige "Imari". Im chinesischen Jingdezhen wurde erst nach 1683 wieder Porzellan gebrannt. Allerdings nach japanischen Beispielen, das Porzellan wurde fortan billiger als "chinesisches Imari" exportiert. Obwohl es in Europa bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts Porzellanmanufakturen gab, zuerst 1710 in Meißen, gab die VOC erst gegen Ende des Jahrhunderts den Porzellanhandel auf. Der Markt floriert jedoch noch heute. Seit den achtziger Jahren werden von professionellen "Schatzsuchern" immer wieder Schiffswracks aufgespürt. So kamen ein paar Millionen Porzellane, meist blau-weiße Massenware, unter den Hammer.