Der renovierte Flagshipstore von Calvin Klein auf der Madison Avenue sieht aus wie eine zitronengelbe Baustelle. Für das Design ist der US-amerikanische Künstler Sterling Ruby zuständig: Er hat den New Yorker Shop umgestaltet – und dazwischen Kleidung von der ersten Calvin-Klein-Unterhose aus dem Jahr 1978 bis hin zur aktuellen Kollektion des Designers Raf Simons arrangiert.

Der Kreativdirektor der Marke arbeitet häufiger mit Künstlern zusammen, aber Sterling Ruby ist seit Jahren sein treuester Begleiter. Das Outfit der Firmenzentrale in Manhattan gehört ebenso zu seinem Werk wie eine gemeinsame Kollektion mit Simons.

Solche Kollaborationen mit Firmen gibt es schon länger: Künstler wie Sarah Morris oder Anselm Reyle gestalteten Handtaschen von Luxusmarken in kleiner Auflage und machten die Exemplare zur raren Edition. Jeff Koons wurde von H&M bereits vor drei Jahren für den großen Shop auf der Fifth Avenue engagiert, sein "Balloon Dog" ist zum Wahrzeichen des Unternehmens geworden. BMW engagiert schon seit Mitte der siebziger Jahre regelmäßig internationale Künstler für die Gestaltung eines "Art Car". Und die Zumtobel Group, die vor allem Lichttechnik vertreibt, lässt ebenso wie der Schweizer Ringier-Verlag die jährlichen Geschäftsberichte durch die Hände namhafter Maler oder Bildhauer gehen, die das Zahlenwerk optisch aufwerten sollen.

Sterling Ruby, Jahrgang 1972, führt eine Tradition fort, in der sich alle als Gewinner sehen: Die Modemarken werten ihr Image auf, die Künstler genießen eine neue, breite Öffentlichkeit – und die zusätzliche Einnahmequelle. Dass die Verwertung ihrer Motive auch demonstrieren könnte, wie verwechselbar sie mit gefälligem Design sind, scheint keinen dieser Künstler zu stören. Bei Ruby kommt aber noch ein Aspekt hinzu: Sein Studio in Los Angeles gleicht mehr einer Fabrik für Kunst-Produktion und Design als einem klassischen Atelier. Ruby ist selbst Unternehmer, er unterscheidet nicht länger zwischen Museum und Modeindustrie.