Michael O’Leary liebt das Marketing auf Kosten der Wettbewerber. Kein Wunder also, dass der Chef von Ryanair die Lage von Air Berlin nutzt, um gegen den Rivalen Lufthansa zu poltern. Deutschlands größte Fluglinie plant, Teile der insolventen Air Berlin zu übernehmen. Das wäre vielleicht kein Grund zur Aufregung, hätte nicht die Bundesregierung mit ihrem 150-Millionen-Euro Kredit dafür gesorgt, dass Air Berlin zunächst am Leben bleibt – und die Lufthansa überlegen kann, welche Teile von Air Berlin für sie am lukrativsten sind. Über den Verkauf könnte der Gläubigerausschuss schon diese Woche (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) entscheiden.

O’Leary ist deswegen außer sich. "Das ist alles Teil eines lang existierenden Plans von Lufthansa, um die Kontrolle über Air Berlin zu erhalten", wettert er. "Die deutsche Regierung unterstützt diesen von Lufthansa initiierten Deal mit staatlichen Beihilfen in Höhe von 150 Millionen Euro. So kann Lufthansa Air Berlin schuldenfrei übernehmen." Nun sind einerseits derlei Tiraden gegen die Konkurrenz für O’Leary nicht ungewöhnlich. Andererseits wirft die Rolle der Bundesregierung im Zuge der Air-Berlin-Insolvenz tatsächlich Fragen auf. Hat O’Leary also recht: Stecken Bundesregierung und Lufthansa unter einer Decke?

Zählt man die Reaktionen der vergangenen Tage zusammen, lässt sich klar sagen: Ja! Ein Beispiel: Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der einst ein Vermögen in der Textilindustrie machte, bekundete sein Interesse an einer Komplettübernahme von Air Berlin. Es gibt viele in der Branche, die ihm das zutrauen würden, auch weil Wöhrl sich als Sanierer einen Namen gemacht hat. Zunächst 2003 mit dem British-Airways-Ableger Deutsche BA, 2006 kaufte er auch die Mehrheit an der Fluglinie LTU. Beide wurden später von Air Berlin übernommen.

Wenn der Insolvenzverwalter seinen Job im Sinne des Unternehmens machen will, dann müsste er Wöhrls Offerte ernsthaft prüfen.

Stattdessen lässt Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) verlauten, wie wenig er von Wöhrls Ansinnen hält: "Das Modell Air Berlin als eine eigenständige Airline ist ja gescheitert."

Was Machnig nicht sagt: Nach einer Insolvenz ist Air Berlin ein anderes Unternehmen.

Der bisherige Anteilseigner Etihad zieht sich zurück – und zahlt dafür einen hohen Preis. Denn aller Voraussicht nach bleibt die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi auf einem Großteil der Schulden, die sich auf über eine Milliarde Euro belaufen, sitzen. Piloten und Flugbegleiter würden im nächsten Schritt auf Gehalt verzichten müssen. Teure Leasingverträge wie beispielsweise mit TUI fly wären Geschichte.

Doch der Erhalt in Gänze sei längst kein Thema mehr, sagt jemand, der schon viele Aufsichtsratssitzungen von Air Berlin erlebt hat: "Es geht nur darum, das Unternehmen zu zerschlagen."

Tatsächlich hat die Bundesregierung aus ihren Zielen kein Geheimnis gemacht. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) beispielsweise, der gleich nach dem Insolvenzantrag verkündete: "Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr." Deswegen sei es "dringend geboten", dass Lufthansa wesentliche Teile von Air Berlin übernehmen könne.