Platz fünf! Wie im Vorjahr gehört Hamburg zu den Top-Bundesländern, was Bildung angeht. Das verkündete die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft vergangene Woche in ihrem Bildungsmonitor. Arbeitgeberverbände in Norddeutschland klatschten, und die meisten Medien in der Stadt lobten mit.

Daran stört: Die groß verkündeten Zahlen sind nicht neu. Hamburgs Schüler sind gut in Englisch, mittelmäßig in Deutsch, aber vor allem hängen die Leistungen viel stärker als in anderen Bundesländern von der Herkunft der Schüler ab. Das haben die Wissenschaftler des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) im Auftrag der Kultusminister herausgefunden. Die Studie wurde bei ihrer Vorstellung im Oktober diskutiert. Im März steckte der Senat die Ergebnisse dann einer Zeitung, die sie als neu verkaufte, im Juli präsentierte der Schulsenator die Ergebnisse noch einmal auf einer Pressekonferenz. Und nun schaffen diese Erkenntnisse es mit dem Bildungsmonitor, der jedes Jahr die wichtigsten Studienergebnisse zum Thema zusammenfasst, wieder ins Rampenlicht.

Viermal Aufmerksamkeit, aber keine ernsthafte Debatte. Etwa darüber, warum Hamburgs Schulen trotz Rekordinvestitionen den Kindern aus ausländischen oder sozial schwachen Familien weniger beibringen als Schulen in anderen Ländern. Oder wie verhindert werden kann, dass viele Kinder am Ende der Schulzeit die Mindeststandards verfehlen. Die schulpolitische Debatte in Hamburg ist in einem traurigen Zustand.