Zu den hässlichsten Vorurteilen, die in Europa über Politiker im Umlauf sind, gehört die Behauptung, diese würden ganztägig die Hände in den Schoß legen und im aufreizenden Nichtstun folgenlos verharren. Das klingt sehr wahr, ist aber sehr falsch. Schauen wir nur nach Nordrhein-Westfalen, wo der neue Ministerpräsident Armin Laschet sein Justizministerium für zärtliche 2,6 Millionen Euro umbenannt und ihm den majestätischen Genitiv verpasst hat. Das Justizministerium nennt sich nun "Ministerium der Justiz", weshalb Schilder, Stempel, Siegel, Briefumschläge, Einladungen, Urkunden, Telefonansagen und Dienstjubiläumsglückwunschkarten kreativ geändert werden müssen. Niemand, so beweist uns der zu allem entschlossene Christdemokrat, ist zur postpolitischen Tatenlosigkeit verdammt, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Man muss den Willen nur wollen!

Auch der neue französische Präsident ist ein Mann des Willens und blamiert jene Nörgler und Meckerköppe, die behaupten, Politik erschöpfe sich in kosmetischen Korrekturen. Wie AFP meldet, investierte Emmanuel Macron bislang waschechte 26.000 Euro Steuergeld in hochwertige Ganzkörperpflege-Produkte, die seine persönliche Visagistin stets hautnah zur Anwendung bringt. Der Hersteller der Produktlinie (Name der Redaktion bekannt) erklärt dazu salbungsvoll: "Rundum gepflegt zu sein wird auch für den Politiker immer wichtiger. Schon zehn Sekunden nach dem Auftragen von Vita Lift liegt ein eleganter Schutzfilm auf seiner Haut. Sie lässt kleine Fältchen verschwinden und den Teint im Kameralicht wunderbar erstrahlen."

Der von ungekämmten Linken geäußerte Vorwurf, Macron verschwende ehrliches Steuergeld für parfümiertes präsidiales Chichi, ist blind und geschichtslos. Die fünf Pfund schwere Allonge-Perücke des gepuderten Sonnenkönigs Ludwig XIV. kostete seinerzeit 1.000 Taler und damit ein Vielfaches dessen, was Macrons makellose Visagistin jemals für ihre Auftragsarbeiten erhalten wird. Zusätzlich trug der Sonnenkönig unter seiner Oberbekleidung sündhaft teure Riechkissen, die mit Majoran gefüllt waren. Manchmal auch mit Basilikum. Oder Lavendel.

Heutige Politiker dürfen sich daran ein Beispiel nehmen. Anstatt mit Wahlkämpfen zu langweilen, aus denen jeder sittliche Ernst gewichen ist, sollten sie Menschheitsthemen behandeln, die uns Weltbürger wirklich interessieren: Was trägt der moderne Mann im Justizministerium, Pardon: im Ministerium der Justiz? Welches Riechkissen passt zu welchem Politiker? Majoran, Basilikum oder Lavendel? Stimmen Sie ab!

FINIS