DIE ZEIT: Herr Scholz, Auftragssucher wie Sie kann man anrufen, wenn man am Strand ein Schmuckstück verloren hat. Sie spüren es dann auf, gegen Finderlohn. In welcher Weise gehen am meisten Wertsachen verloren?

Kai Scholz: Händewaschen ist der Klassiker, wenn man die Hände danach mit Tüchern abtrocknet und der Ring mit im Papierkorb landet. Meine erste Frage an die Hilfesuchenden ist immer: Wurde der Papierkorb schon abgeholt? Dann adieu, mein Schatz. Ein großer Klassiker ist auch Stockwurf oder Ballwurf mit dem Hund. Gefolgt von Volleyballspielen. Viele legen Ringe auch fürs Eincremen ab oder stecken sie in die Hose, aus der sie dann später beim Ausschütteln rausfallen. Auch gefährlich sind kalte Hände nach dem Baden.

ZEIT: Wie viele Aufträge erhalten Sie im Sommer?

Scholz: Ich bekomme etwa 60 Anrufe, aber nur acht bis zehn führen dazu, dass ich mich ins Auto setze und losfahre. Ich kläre jedes Mal vorher ab, ob mein Einsatz überhaupt sinnvoll ist. Wir Schatzsucher sind keine Geschäftemacher, deshalb nehme ich auch nicht 45 Euro pro Stunde, egal wie aussichtslos der Fall ist. Ich nehme Finderlohn. Das ist sozialverträglich.

ZEIT: Am Strand sieht man viele Schatzsucher mit Metalldetektoren. Lohnt sich das?

Scholz: Man kann davon nicht leben. Allein bis man die Kosten für seine Ausrüstung wieder drinhat, dauert das ganz schön lang. Aber bevor ich Flaschen sammle, würde ich lieber abends um die Körbe ziehen. Denn der Kick dabei ist: Jedes Signal kann der Jackpot sein. Der selbstverständlich im Fundbüro landen sollte.

ZEIT: Wie viel findet ein Schatzsucher?

Scholz: Früher war es mal gutes Geld. Heute manchmal nicht einmal mehr das Benzingeld, um zum Strand zu fahren.

ZEIT: Das sogenannte Sondengehen ist ein regelrechter Volkssport geworden.

Scholz: Seit fünf Jahren gibt es einen wahnsinnigen Hype. Die Detektoren sind günstiger geworden, jeder meint, damit reich werden zu können. Es gibt inzwischen sogar Leute, die in Osteuropa Bustouren für Schatzsucher organisieren und am Ende der Saison nach Timmendorf fahren. Jeder glaubt, das Nugget seines Lebens finden zu können, es gibt zurzeit eine Goldgräberstimmung wie im Wilden Westen.

ZEIT: Wie groß ist die Konkurrenz?

Scholz: Jeder hat seinen Strandkorbabschnitt. Und manche Kollegen schauen komisch, wenn ein Fremder in ihren Bereich geht. Es ist insgesamt schwieriger geworden, was zu finden. Die Leute zahlen mit Karte oder ihrem Handy. Es gibt Tresore an Stränden für Wertgegenstände. Nach meinem Empfinden ist der Höhepunkt erreicht.