Gleich ist er da, in den Funkgeräten der Polizisten knistert es. "Noch vier Minuten ... Noch drei ..." Wiesmoor in Ostfriesland, Station zwei des Bundespräsidenten an einem Morgen Anfang Juni. Absperrgitter vor der Blumenhalle des Städtchens, dahinter Männer und Frauen, den Regenschirm in der einen, das Handy fotobereit in der anderen Hand. Drinnen in der Halle erklärt ein Mitarbeiter den Journalisten, wo der Bundespräsident gleich stehen und was er machen wird – hier wird er sich ins Goldene Buch eintragen! Dort wird er sein Statement vor den Kameras abgeben!

"Und die Frau Büdenbender?"

"Die Frau ... Also, die steht einfach rum."

Es gibt auch eine aktivere Variante. Bei einem anderen Termin heißt es: "Die läuft mit."

Elke Büdenbender läuft also mit, wenn Frank-Walter Steinmeier, seit einem halben Jahr Deutschlands zwölfter Bundespräsident, auf Antrittsreisen in der Republik unterwegs ist, wenn er von Staatskanzlei zu Behindertenwerkstatt und von Kita zu Bürgerempfang eilt. Sie steht rum, wenn er in deutschen Rathaussälen ans Mikrofon tritt. Sie hört zu, wie ihr Mann redet, und sie hört zu, wie andere Männer reden, Ministerpräsidenten in deutschen Schlössern und Staatspräsidenten in den Palästen der Welt. Sie schüttelt Hände, sehr viele Hände, und manchmal beugt sich ein Herr hinunter und deutet einen Handkuss an. Sie lächelt viel. Sie winkt viel. Sie sieht gut aus, darüber freuen sich die Fotografen.

Frank-Walter Steinmeiers Job als Staatsoberhaupt: Deutschland repräsentieren, nach innen und nach außen, so steht es in der Verfassung. Sein Dienstsitz: kein schnöder Bürokomplex, sondern das Schloss Bellevue in Berlin, früher Klassizismus, getrimmter Rasen. Ein Rest royaler Glanz, auch wenn das Deutsche Kaiserreich Geschichte ist.

22. März 2017. Im Schlosspark drängeln sich Journalisten hinter einem Absperrband. Vor ihnen ein langer roter Teppich, das Orchester der Bundeswehr steht bereit, um den neuen Bundespräsidenten mit militärischen Ehren zu begrüßen.

Steinmeier, frisch vereidigt, und Büdenbender treten gemeinsam aus dem Tor. Dann aber bleibt sie stehen, und er geht weiter, vor ihm der rote Teppich, den er abschreitet, ohne sie. Erst danach darf sie wieder neben ihn treten.

Wer mit dem Bundespräsidenten verheiratet ist, ist Deutschlands First Lady. Das klingt wichtig, aber ein offizielles Amt ist das nicht. In der Verfassung kommt die First Lady nicht vor, was sie tut, nennt man Funktion, Aufgabe, Rolle. Mit dem Amt, das Steinmeier übernommen hat, ist aus seiner Frau etwas geworden, das Frauen früher sehr oft waren, aber heute nicht mehr gerne sind: die Frau an seiner Seite.

Auf Terminen heißt es zur Sitzordnung kurz: "Da sitzen Bundespräsident und Frau." Hat er halt dabei, die Frau. Hatten ja bisher alle Bundespräsidenten eine dabei. Weshalb die Konstanzer Staatsrechtsprofessorin Sophie Schönberger die Aufgabe der First Lady als "Bundeshausfrau" beschreibt.

Es war Steinmeier selbst, der am Vorabend seiner Wahl das Dilemma der Rollenverteilung ansprach, die sein neues Amt mit sich bringt. Dieses sei "sehr traditionell angelegt", sagte Steinmeier auf einem Empfang. "Einer wird gewählt, und von dem anderen wird erwartet, dass er vieles aufgibt." Im Fall von Elke Büdenbender, 55 Jahre alt: ihren Job als Richterin.