Dass es den USA in 17 Jahren selbst mit riesigen Einheiten nicht gelungen ist, in Afghanistan für Sicherheit zu sorgen, scheint ihm kein Kopfzerbrechen zu bereiten. Stattdessen erklärt Prince, er habe in der Geschichte ein Vorbild gefunden: So wie die britische Krone früher sogenannte Vizekönige als Statthalter in ihre Kolonien schickte, so könnte die US-Regierung doch einen Vizekönig nach Afghanistan schicken, der den Einsatz kontrolliert.

Militärexperten halten nichts von dem Angebot. "Schrecklicher Unsinn" seien die Vorschläge, sagt etwa Thomas Johnson, Professor an der Marine-Hochschule im kalifornischen Monterey. Mit einer Privatarmee würden die USA jegliche Glaubwürdigkeit bei den Afghanen verlieren. "Das würde den Taliban in die Hände spielen." Sean McFate, Dozent für Sicherheitspolitik an der Georgetown University und früher selbst Söldner, sagt: "Das Ganze ist ein Rezept für eine Katastrophe." Prince’ Vorschlag zeuge von "fürchterlicher Ahnungslosigkeit".

Präsident Trump aber zeigt sich offenbar interessiert an den Plänen. Das Weiße Haus habe sich bei ihm gemeldet, behauptet Prince. Sprecher des Präsidenten wollten sich auf Anfrage der ZEIT nicht dazu äußern. US-Medien berichteten aber, dass Trump seinen Generalen den Vorschlag von Prince ans Herz gelegt habe.

Es scheint, als würden der Unternehmer Prince und der Unternehmer Trump dieselbe Sprache sprechen: "Afghanistan ist praktisch eine Pleite der US-Regierung, und Trump kennt sich aus mit Restrukturierungen", sagt Prince im Skype-Gespräch. Trump seinerseits verglich im Juli bei einem Treffen mit seinem Verteidigungsminister den Einsatz in Afghanistan mit der missglückten Renovierung des Club 21, eines New Yorker Nobelrestaurants. So berichten es US-Medien.

Prince findet auch deshalb Gehör bei Trump, weil er in Washington bestens vernetzt ist. Er war auf Trumps Wahlparty im November (Motto: "Helden und Bösewichte"). Er wurde regelmäßig von Breitbart als Experte angefragt, dem rechtsradikalen Nachrichtenportal von Steve Bannon, bis vor Kurzem Chefberater von Trump. Prince’ Schwester, Betsy DeVos, ist Bildungsministerin in Trumps Kabinett, eine Milliardärin ohne Regierungserfahrung oder pädagogische Ausbildung. Immerhin spendet Familie Prince seit Jahrzehnten Geld an die Republikaner und gibt sich nicht nur tiefreligiös, sondern auch überzeugt von der Überlegenheit der Privatwirtschaft gegenüber dem Staat.

Seine erste Armee hat Prince, so erzählt er es in seiner Autobiografie Civilian Warriors, als Siebenjähriger aufgestellt: Auf dem Fensterbrett im Kinderzimmer ließ er Zinnsoldaten aufmarschieren. Als Teenager interessierte er sich für Militärgeschichte und war Fan von Ronald Reagan und dessen Aufrüstungsplänen. Später wurde er Berufssoldat.

Als Prince’ Vater, der Unternehmer war, starb und Erik eine Erbschaft machte, erfüllte der Sohn sich seinen Traum: einen privaten Truppenübungsplatz. Er kaufte Land in den Sümpfen von North Carolina. Der schwarze Morast, in dem die Baufahrzeuge stecken blieben, wurde der Namensgeber für sein Unternehmen: Blackwater. Prince baute Anlagen zum Simulieren von Häuserkämpfen und einen Parcours für Autoverfolgungsjagden. Auf dem Gelände wurde so viel geschossen, dass Prince regelmäßig die Pfadfinder einlud, um Patronenhülsen einzusammeln. Die Jungen verkauften die Hülsen an einen Schrotthändler. Den Erlös durften sie behalten. Auf demselben Gelände baute Prince eine riesige Jagdhütte, sie wurde der Firmensitz von Blackwater. Als Türgriffe, erzählt er, dienten Kolben von Maschinengewehren.

2010 wurde Prince als Agent der CIA enttarnt, er hatte den Geheimdienstlern offenbar mit seinen Söldnerkontakten ausgeholfen. Danach zog er mit seiner Familie nach Abu Dhabi. Geld verdiente er, indem er für saudische Auftraggeber somalische Piraten bekämpfte. "Die Aktion hat weniger gekostet, als die Piraten an Lösegeld in einem Jahr eingenommen haben", sagt er. Nun ist er zurück in den USA und hofft auf den Auftrag in Afghanistan. "Ich bin der beste Mann dafür", sagt er. Sollte Trump ihn rufen, ist Erik Prince einsatzbereit.

Nach einer guten Stunde Gespräch verabschiedet sich Prince und schaltet die Kamera aus. Er muss mit seinen drei Töchtern zum Lunch.