"Mir fehlt die Fröhlichkeit"

Salah Zater, 31 Jahre alt, war Fernsehjournalist in Libyen und wurde wegen seiner kritischen Berichte mehrmals von Milizen bedroht, bis er das Land verließ. In der ZEIT Nr. 40/15 veröffentlichten wir ein Streitgespräch zwischen ihm und der syrischen Journalistin Rasha Abbas über die Rolle der USA in der arabischen Region. Er bemüht sich, Deutsch zu lernen – doch mit den meisten Freunden spricht er Englisch. Auch das Gespräch mit ihm findet auf Englisch statt.

"Ich bin in den vergangenen zwei Jahren durch Deutschland gereist, zu Workshops, Konferenzen, Konzerten, auf denen ich über Menschenrechte gesprochen habe, über Meinungsfreiheit, Migration – eingeladen wurde ich von Schulen, Universitäten und Stiftungen. Ich war in Baden-Baden, Köln, Berlin, Ilmenau, ich war praktisch überall in Deutschland.

Deutschland ist ein reiches Land, aber ist es auch glücklich? Ich sehe auf der Straße unfrohe Gesichter. Ich habe auch viele Deutsche und Nichtdeutsche gefragt, ob sie glücklich sind, und die meisten haben Nein gesagt. Die Leute haben wenig Zeit, wenig Vertrauen, und sie öffnen sich nicht leicht. Es gibt viele Nichtdeutsche, die gerne mit Deutschen Kontakt aufnehmen würden, aber das fällt schwer. Man lächelt auch nicht einfach Menschen auf der Straße oder im Café an.

Wenn Sie fragen, was mir fehlt, dann ist es das: fröhliche Leute. Und auch die verrückten Leute. Na ja, und die Familie, meine besten Freunde, mein Job. Mir fehlt die Wüste, die Sonne, das Meer. Mir fehlt meine Fröhlichkeit von damals. Aber ich kämpfe jeden Tag darum, froh zu sein. Ich habe mir auf meinen Spiegel einen Smiley gemalt, denn ich will nicht vergessen zu lächeln.

Was ich allerdings jetzt bald mal brauche, ist ein fester Job. Oder wenigstens ein Praktikum in meinem Beruf als Journalist."

Aufgezeichnet von Gero von Randow