Martin Ahrends lebt als Schriftsteller in Werder an der Havel. © Christine Oppe

Eine Geldverachtungsmaschine hab ich mir gewünscht, mit der ich das Geld ebenso behandeln kann, wie es mich behandelt. Das Geld hat sich viel zu breit gemacht in meinem Leben", schimpft mein alter Freund Klaus. "Es soll da sein, wenn man es braucht, und ansonsten den Mund halten. Es soll ein guter Diener sein, der etwas vom Dienen versteht. Mein Geld ist mir ein aufsässiger, wichtigtuerischer, geltungssüchtiger Diener, der sich mit geheuchelter Devotion in den Vordergrund drängt: Stets zu Diensten, der Herr, noch einen Wunsch, der Herr. Ein hämischer Diener, der genau weiß, dass ich mir nichts leisten kann. Und ich komm mir armselig vor, wenn ich ihm viel zu viel meiner Aufmerksamkeit schenke.

Ich bin der Herr, das Geld ist der Knecht, basta! Auch wenn es mir mangelt. Auch wenn ich plötzlich vor einem großen Haufen säße und nicht wüsste, wohin damit. Aber, wer weiß. Die Erfahrung hab ich noch nicht gemacht. Jedenfalls gleicht mein Geld viel weniger einem braven Diener als einer Gouvernante, die mir ständig auf die Finger haut: Das darfst du nicht und das auch nicht und das schon erst recht nicht. Sie sagt immer nur: Nein und nein und vielleicht später einmal, wenn du reich bist, aber solang du offenbar zu blöd oder zu faul bist, dir etwas leisten zu können – tja. Das Geld sagt mir schon mein ganzes Leben lang, dass ich zu blöd oder zu faul bin. Auch wenn ich welches habe, ist es nie genug, um diesen Satz endgültig aus der Welt zu schaffen. Es blickt auf mich herab. Und ich will nicht vor ihm niederknien.

Wie gut haben es da die Kirchgänger, die knien dürfen vor einem höheren Wesen. Gelobt sei der Klingelbeutel! Ein Säcklein, das beim Singen so an langer Stange durchgereicht wird und das jeder, arm oder reich, ganz nach Laune und Vermögen mehr oder weniger befüllen kann. Welch heilsame Degradierung des Geldes: zu einer Nebensache. Hier hat man über Jahrhunderte gelernt, damit umzugehen, nicht nur durch den Ablasshandel. Hier wird nach Gutdünken bezahlt.

Für alles muss ich bezahlen. Für mein bloßes Dasein, das angeblich ein Geschenk sein soll. Ich hab mich nicht bestellt, warum muss ich für mich bezahlen ein Leben lang? Niemand, der mir diese Frage beantwortet in der Welt. Hier aber, im geschützten Raum der Kirche, spielt sie keine Rolle mehr. Nein, mir hilft keine Geldverachtungsmaschine, eher schon das freundlich helle, beiläufige Klimpern im linnenen Beutel. Ich muss mich nicht rächen an meinen armseligen paar Groschen, ich kann sie fallen lassen, dahin, wo sie hilfreich sind und Gutes tun …" – "Amen!", entfährt es mir.