Diese Woche: "Generationengerechtigkeit, die"

Für Gerechtigkeit ist eigentlich jeder. Und für Gerechtigkeit zwischen den Generationen ebenfalls. Deshalb ist es erstaunlich, dass vor allem eine Partei den Begriff verwendet: Im Wahlprogramm der FDP ist ein ganzes Kapitel der Generationengerechtigkeit gewidmet. Darin steht unter anderem, dass eine "Politik, die heute Wahlgeschenke verteilt, die die Generationen von morgen bezahlen müssen", ungerecht sei. Wer wollte dem widersprechen?

In den Programmen der anderen Parteien dagegen kommt der Begriff so gut wie nicht vor. Die Grünen sprechen lieber von "Nachhaltigkeit", die SPD von einem neuen "Generationenvertrag". Daraus könnte man nun schlussfolgern, dass allein die FDP sich um die Rechte künftiger Generationen sorgt. Es könnte aber auch sein, dass der Begriff der Generationengerechtigkeit als Prämisse enthält, was erst zu beweisen wäre – nämlich dass Gerechtigkeit zwischen den Generationen nur mit einem ganz bestimmten Bündel von Maßnahmen zu erreichen sei.

Tatsächlich wird mit Verweis auf die Generationengerechtigkeit meistens gefordert, dass der Staat weniger Geld ausgibt. Weil dann mehr Geld für die nachfolgenden Generationen da sei. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn wenn der Staat zum Beispiel eine Schule baut, dann profitieren davon die nachfolgenden Generationen, weil sie eine gute Ausbildung erhalten – auch wenn dafür die Schulden steigen.

Der Verdacht liegt also nahe, dass jemand, der Generationengerechtigkeit fordert, in Wahrheit will, dass der Staat generell weniger Geld ausgibt. Diese Forderung klingt allerdings nicht so gut.