I. Kein Name, kein Markt

Der Kunsthandel ist auf Experten angewiesen. Nur was einen Namen hat, hat auch einen Wert. Stets sind es aber nur wenige Experten, die bei einem Maler für die Entscheidung "Echt oder falsch?" infrage kommen. Diese sind sich ihrer Macht bewusst – ohne ihre Expertise gilt ein Gemälde als zweifelhaft und ist schwer zu verkaufen.

II. Expertise hat ihren Preis

Schon 1921 schrieb Max Friedländer, selbst Experte für alte Niederländer, das Expertentum in der Kunst sei ein Geschäft, das "üppig ins Unfugshafte" ausschlage. Es ist so: Für den Experten zahlt sich die Zuschreibung aus. Werner Spies etwa, jener Experte, der auch den Werken des Fälschers Wolfgang Beltracchi Echtheit zuschrieb, wurde jeweils dreistellig von Verkäufer und Käufer honoriert. Das ist üblich. Bei einem "Rothko" erhielt Oliver Wick 300.000 Dollar von der Galerie Knoedler und 150.000 Dollar von dem milliardenschweren Käufer Frank Fertitta. Auch dieses Werk war eine Fälschung.

III. Auf den Aufwand kommt es an

Der Wert einer Expertise hängt davon ab, wie intensiv sich der Experte den Nachforschungen gewidmet hat. So ist entscheidend, ob er das Werk in echt gesehen hat oder auf einer Fotografie, ob er ein ausführliches Gutachten geschrieben oder lediglich gegenüber dem Besitzer oder dem Auktionator die Echtheit bestätigt hat. Beliebt ist dabei die Formulierung "wird in das in Arbeit befindliche Werkverzeichnis aufgenommen", in dieses werden alle Arbeiten eines Künstlers eingetragen. Justiziabel ist das jedoch nicht.

IV. Irren ist rechtmäßig

"Experte" ist kein geschützter Beruf. Ob Kunsthistoriker, Kunsthändler, Amateur – jeder kann als Experte auftreten. Benutzt er Formeln wie "Meiner Meinung nach ..." oder dies und jenes "spricht dafür, dass das Werk von ... sein könnte", gilt sein Gutachten nur als Meinungsäußerung, die keine Haftung einschließt. Auch der Auktionator kann seine Haftung für Sachmängel – wozu die fehlende Echtheit eines Kunstwerks gehört – in den Versteigerungsbedingungen vertraglich ausschließen, soweit er die Sorgfaltspflichten erfüllt hat. Kurzum: "Es gibt keine echten oder falschen, sondern nur beglaubigte oder unbeglaubigte Bilder" – dank der Experten.