Die wichtigste Großausstellung der Welt, die Documenta, inszeniert sich in kühler Distanz zum Kunstbusiness – spätestens seit Roger M. Buergel auf "seiner" Documenta 2007 das Klischee der "Marktferne" zum Schlagwort erhob. In diesem Jahr geißelt Documenta-Leiter Adam Szymczyk allgemein das Übel des Neoliberalismus. Dabei ist diese Trennung zwischen Kuratoren- und Marktkunst vollkommener Blödsinn.

Der Markt hat sich stets einverleibt, was ihm an der Documenta am Lukrativsten erschien: Ai Weiwei etwa, ein Star von Buergels Documenta. Die Auktionspreise einiger Werke des damals weniger bekannten Chinesen kletterten auf mehr als das Doppelte. Einen ähnlichen Boom erlebte Pierre Huyghe, nachdem 2012 seine Erdgrube mit dem lebendigen Hund viel besprochen wurde. Der französische Künstler hüpfte in der Galeriewelt eine Stufe hoch: 2014 wechselte er von Marian Goodman zum noch etwas stärker prosperierenden Galeristen Iwan Wirth.

Natürlich wirkt die aktuelle Documenta, mit ihren Performances, Wollfäden und Kunsthandwerksobjekten indigener Volksstämme so kommerziell unverwertbar wie keine zuvor. Doch auch diesmal wird der Markt seine Lieblinge küren: Die Teilnahme beschere Daniel Knorr internationale Aufmerksamkeit, erklärt dieser Tage seine Galerie. Auch dessen Preise werden sich erhöhen. Knorr lässt auf der Documenta übrigens weißen Rauch aus einem Turm aufsteigen. Wer wissen will, welche Künstler teuer werden, muss nur die Zeichen richtig lesen.