In zwei Wochen erreicht der Nationalratswahlkampf seinen Höhepunkt: In insgesamt elf Konfrontationen (inklusive einer sogenannten Elefantenrunde) treffen die Spitzenkandidaten der größten wahlwerbenden Parteien in einem Studio des öffentlich-rechtlichen ORF aufeinander – vor einem Publikum, das in der Regel jenseits der halben Million Zuseher liegt. Mit einer Ausnahme: Peter Pilz bleibt von den Rede-Duellen ausgeschlossen. Der ORF begründet diese Diskriminierung mit einem formalen Argument: Der Sender bietet nur den Chefs jener Parteien eine Bühne, die auch im Parlament mit Klubstatus vertreten sind.

Auch wenn es auf den ersten Blick plausibel erscheint, so stellt die Verbannung von Peter Pilz aus der öffentlichen Aufmerksamkeit doch eine grobe Wettbewerbsverzerrung dar. Alle Umfragen attestieren der Liste Pilz, dass sie am 15. Oktober ohne große Schwierigkeiten den Einzug in den Nationalrat schaffen wird und vielleicht sogar die Grünen überflügeln könnte. Das mag etwas verwegen sein, in jedem Fall aber beweisen die Prognosen, dass die Liste Pilz eine relevante politische Größe ist und ein signifikantes Wählersegment repräsentiert.

Bisher. Denn in dem Augenblick, in dem der rhetorisch mit allen Wassern gewaschene Routinier aus dem medialen Fokus vertrieben wird, können sich rasch die Kräfteverhältnisse verschieben. Im Sog der TV-Konfrontationen konzentriert sich ja die gesamte mediale Aufmerksamkeit und das Gezwitscher in den sozialen Netzwerken auf die Kontrahenten, und Pilz driftet aus den Augen, aus dem Sinn.

Die Begründung des ORF für sein Vorgehen folgt der Logik eines Staatssenders und ist eine formale Ausrede. Wen eine Redaktion zu einer Gesprächsrunde einlädt, ist allerdings eine rein journalistische Entscheidung. Was ist relevant, was ist für das Publikum von Interesse? Nach diesen Kriterien müsste Pilz ein Fixstarter sein – und der ORF würde nicht den Wahlausgang beeinflussen.