Naturwein ist eine spannende Sache. Das Problem sind die Leute, die ihn ausschenken. Missionare oft, die Jahrhunderte "konventionellen" Weinbaus als Irrweg abtun und nur ihre eigene, nicht mit Schwefel konservierte Ware als das einzig Richtige anpreisen.

Dieses Problem hat man mit Andreas Zühlke nicht. Der frühere Küchenchef des Eimsbütteler Gorilla Grill betreibt zwar gleich nebenan einen Laden, in dem fast nur Naturwein ausgeschenkt wird. Aber ob er Lust hat, darüber zu reden, hängt sehr von der Tagesform ab.

Im besten Fall bekommt man ein Glas aus der Privatflasche spendiert, die er mit Stammkunden leert, kleiner Vortrag inklusive. Im schlechtesten muss man sich mit den Andeutungen auf der Karte begnügen ("Pfeffer / trocken / läuft"). Und den Texten im Schaufenster, die auch kaum weiterhelfen. Der aktuelle lobt die segensreiche Wirkung des Naturweins auf die Libido.

Dem konventionellen Weintrinker stellt sich das Niveau ziemlich wechselhaft dar – vom zahmen Riesling über einen tiefgründigen Beaujolais bis zum brachialen Languedoc, der mit seinen Gär-Aromen mehr an Bier erinnert.

Auch das Essen ist nur schwer auf einen Nenner zu bringen. Zühlke kocht in der Mini-Küche, was ihm gerade einfällt, mit guten Produkten und interessanten Ideen. Das schmeckt mal großartig, etwa bei der Gänsepastete mit Pistazien. Der intensive Fleischgeschmack behauptet sich sogar gegen die kontrastreiche Mischung aus Pfifferlingen und marinierten Roten Johannisbeeren. Bisweilen stochert man aber auch ratlos in einem Durcheinander aus glibbrigen Pulpoarmen, Mandeln, Amalfi-Zitronen-Stücken und unreifer Avocado. Und was soll dieser wässrig-saure Salat aus diversen Melonen und Gurken, gratiniert mit Ziegenkäse? "Der schmeckt anders, wenn die Sonne scheint", ruft Zühlke vom Nebentisch rüber. Das leuchtet ein. Was kann er für den grauen Himmel?

Es ist wohl vor allem der Umgangston, der das Zühlke so beliebt macht: Das umstandslose Duzen der Gäste, die auf mehr oder minder großen Holzbänken beisammensitzen. Der nette Haushund, der gerne mal bettelt, obwohl er das eigentlich nicht darf. Das Angebot, dem Gast eine Spinne von der Schulter zu schnippen.

Zu danken ist dieser Stil besonders Zühlkes kongenialem Mitarbeiter Rainer, dessen Arbeit mit Bedienen unpassend beschreiben wäre. Unbekümmert gießt er den neuen Rotwein ins Glas des ausgetrunkenen Weißweins, dafür dann umso großzügiger: "Ohne Brille sehe ich den Eichstrich nicht." Wegen der Seelen- und Gesichtsverwandtschaft darf er sich der Kundschaft als "Vadder Zühlke (87)" vorstellen.

Mancher Gast macht hier auf der Schwelle kehrt, weil er sich respektlos behandelt fühlt oder gar nicht gesehen wird. Aber wer einmal sitzt, bleibt länger, als er wollte.

Naturwein in allen Ehren. Naturbelassener Service ist auch etwas wert.

Zühlke, Eppendorfer Weg 58, Eimsbüttel. Tel. 22 75 96 00. Geöffnet dienstags bis samstags von 13 bis 23 Uhr. Gerichte um 15 Euro