Es war ihm geglückt – jenes eine Bild, das einen Fotografen weltberühmt und ein Motiv zur Ikone machen kann. Jenes Bild, das nur einen winzigen Moment erfasst und doch die ganze Geschichte dahinter erzählt. Erst viel später erfuhr die Frau auf dem Bild, dass sie ebenfalls berühmt geworden war – dort, wo sie lebte, kamen solche Nachrichten nicht an. Der Fotograf aber hatte es geschafft: Die Botschaft wurde verstanden, bewirkte Aufsehen, Anteilnahme.

Gut drei Jahrzehnte später ist er nach wie vor 300 Tage im Jahr mit seiner Kamera unterwegs, am liebsten in Asien. Kaum eine Krisenregion, die er nicht kennt. Irak, Pakistan, Syrien. Afghanistan, Mali. Was ihn antreibt? Er wolle die Zivilbevölkerung in ihrem Alltag zeigen, sagt er, gerade dann, wenn der sich fast schon aufgelöst habe. Ihn interessiert, wie Menschen es schaffen, sich inmitten von Trümmern und Terror ein Stück Normalität zu bewahren. Mildes Licht und ungewöhnlich intensive Farben kennzeichnen seine kunstvoll komponierten Aufnahmen.

Da liegt etwa ein lesender Junge bäuchlings auf dem Bürgersteig, ein Stück Pappe als Unterlage, gänzlich versunken in sein Buch, während um ihn herum indisches Verkehrschaos wütet. Zu schön, um nicht inszeniert zu sein? Gegen solche Vermutungen verwahrt er sich. Er wolle "ein Gefühl für die Wunder vermitteln, denen ich auf meinen Reisen begegne, wenn das Überraschende des Fremdartigen sich an der Freudeüber das Vertraute reibt". Er sei kein Dokumentarist, sondern "storyteller". Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 35:

Der amerikanische Schriftsteller John Williams (1922 bis 1994) lehrte von 1935 bis 1985 an der Universität Denver. Vor allem drei Romane sichern ihm posthumen Ruhm: "Butcher’s Crossing" (1960), "Stoner" (1965) und der 1973 mit dem National Book Award ausgezeichnete "Augustus". Alle drei Bücher sind bei dtv auf Deutsch erschienen