Die Sache hat schon einmal zu deutsch-amerikanischem Streit geführt: Während der Münchner Sicherheitskonferenz 2015 forderten sowohl republikanische als auch demokratische US-Politiker, Waffen in die Ukraine zu liefern, um die Regierungsarmee gegen die von Russland unterstützten Separatisten zu stärken. Angela Merkel lehnte das ab; es habe keinen Sinn, ja es sei kontraproduktiv, gegen die schier endlosen Nachschub- und Eskalationsmöglichkeiten Russlands anzurüsten.

Der republikanische Senator John McCain hielt Merkel daraufhin vor, man könne angesichts dieser Haltung glauben, die Bundesregierung "hat keine Ahnung, oder es ist ihr egal, dass Menschen in der Ukraine abgeschlachtet werden". Am Ende entschied Barack Obama: Die USA würden lediglich "nicht tödliche" Ausrüstung an die Ukraine liefern, Nachtsichtgeräte, Funkgeräte und Humvees.

Jetzt, da die Republikaner den Präsidenten stellen, debattieren sie gar nicht erst auf Konferenzen. Trumps Verteidigungsminister James Mattis stellte der Ukraine vergangene Woche die Lieferung schwerer Waffen in Aussicht. Nachgedacht, so Zeitungsberichte, werde in Washington unter anderem über tragbare panzerbrechende Raketen. Während eines Besuchs in Kiew anlässlich des ukrainischen Unabhängigkeitstags nahm Mattis zusammen mit Präsident Petro Poroschenko eine Parade ukrainischer und amerikanischer Soldaten ab. Er überbrachte die Botschaft, defensive Waffen seien keine Provokation, wenn man kein Aggressor sei, "und die Ukraine ist ganz klar nicht der Aggressor".

Objektiv mag das stimmen, aber die Regierung Putin sieht die Sache trotzdem umgekehrt: Die USA und die Nato hätten 2014 auf dem Maidan für einen Umsturz gesorgt, um legitimen russischen Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen in der Ukraine zu schaden. Aus Kreml-Perspektive ist der Ukrainekonflikt eine Abwehrschlacht gegen westliche Hegemonie. Viele prorussische Kämpfer in der Ostukraine wähnen sich schon jetzt in einem Weltkrieg.

In Washington kommt derweil aggressive Stimmung gegen Putin auf. Viele Republikaner wollen nicht nur außenpolitische Stärke beweisen, die sie während der Obama-Jahre vermissten, sondern auch, dass Amerika keine Schwäche für Russland hegt. Und das wollen sie notfalls auch gegen Trump. Im Juli erließ der Kongress neue, scharfe Wirtschaftssanktionen gegen Russland, und Außenminister Rex Tillerson ernannte den ehemaligen Nato-Botschafter Kurt Volker zum Sonderbeauftragten für die Ukraine. Volker, der schon länger Waffenlieferungen befürwortet, sagte jetzt der Financial Times, Russland müsse allmählich ein paar "grundsätzliche Entscheidungen" darüber treffen, ob es sich an das Minsk-Abkommen halten und seine Soldaten aus der Ostukraine abziehen wolle. Noch habe Russland die Wahl: Abzug aus der Ukraine oder "verkrüppelte" Beziehungen zu den USA.

Ihre Drohung mit Waffenlieferungen haben die Amerikaner weder im Rahmen des sogenannten Normandie-Formats (mit Deutschland, Frankreich, der Ukraine und Russland am Tisch) präsentiert, noch in der Nato zur Diskussion gestellt. Das wird laut der US-Delegation im Brüsseler Hauptquartier auch nicht geschehen. Warum nicht? "Weil die Ukraine kein Nato-Mitglied ist." Damit wolle man nicht sagen, dass die Angelegenheit die Nato nicht betreffe, sagte eine Sprecherin, aber sie werde eben bilateral durch die US-Botschaft in Kiew behandelt. Dort wiederum verweist man darauf, dass die Frage von Waffenlieferungen "derzeit aktiv in Washington geprüft" werde.

Die Nato aus einer Entwicklung herauszuhalten, die möglicherweise zu einem größeren Krieg in Europa führen könnte, ist aus jetziger Washingtoner Sicht leider logisch. Bei heiklen Themen wie der IS-Bekämpfung oder dem Ukrainekrieg muss in dem 28-Länder-Bündnis jedes Mal ein neuer Konsens gefunden werden. Die Amerikaner aber wollen schnell Zeichen setzen. "Natürlich", stellt Kurt Volker klar, müssten die Waffenlieferungen "eine Entscheidung des Präsidenten sein".