In den siebziger Jahren machte ein Waschmittelhersteller Hausfrauen ein schlechtes Gewissen. In den Spots maulten die Kinder über kratzige Pullover, die Mutter sagte: "Aber ich habe doch gespült!" Daraufhin meldete sich geisterhaft ihr Gewissen und schärfte ihr ein, das genüge nicht – man müsse dem letzten Spülgang einen Weichspüler zugeben. Als sie den Rat befolgt, kuscheln sich die Kinder in ihre Pullover und sagen der Mama, wie lieb sie sie haben.

Die Werbung wirkte. Viele deutsche Hausfrauen und -männer setzen bis heute Weichspüler ein, wobei es interessante soziale Unterschiede gibt: Während über 80 Prozent der Haushalte mit niedrigem Einkommen diese Zusätze verwenden, sind es bei den Bessergestellten nur etwas über 40 Prozent. "Weitere Aufklärung speziell der niedrigen Sozialstatusgruppe scheint geboten", schreibt der Umweltmedizinische Informationsdienst.

Aufklären, worüber denn? Vor allem Wäsche aus Baumwolle kann nach dem Waschen unter der "Trockenstarre" leiden. Die Fasern ziehen sich gegenseitig elektrostatisch an und kleben dann aneinander. Sogenannte kationische Tenside, die im Weichspüler enthalten sind, mindern diesen Effekt, der Stoff fühlt sich weicher an.

Doch dieses schöne Gefühl gibt es nicht umsonst, der Weichspüler hat einige Nebenwirkungen. Zunächst einmal wird das Wasser durch den an sich nicht notwendigen Zusatz belastet, auch wenn Tenside heutzutage weitgehend biologisch abbaubar sind. Aber auch der Wäsche tut der letzte Spülgang nicht immer gut. Die Tenside sorgen zum Beispiel dafür, dass später Wasser nicht so leicht in die Fasern eindringen kann. Dann ist das Handtuch weich, aber weniger saugfähig. Und auch weich gewaschene Sport-Funktionskleidung nimmt weniger Feuchtigkeit auf, was ja eigentlich ihrem Zweck widerspricht. Synthetikfasern können ihre Elastizität verlieren – dann schlabbert die Stretch-Jeans, und der BH leiert aus. Selbst der Trockner kann Schaden nehmen durch Silikon, das in vielen Weichspülern enthalten ist.

Das Umweltbundesamt sieht Weichspüler "an der Spitze der Haushaltsprodukte mit fraglichem Nutzen".

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