Zu den Lieblingswörtern der deutschen Wissenschaftsszene gehört der Begriff "Internationalisierung". Er verheißt: Wissenschaft ohne Grenzen, Forschergeist gleich Weltgeist. Diese Vision fehlt in keiner Uni-Broschüre und keiner professoralen Ansprache, und der Staat lässt sie sich einiges kosten. Man macht das nicht nur aus reiner Weltoffenheit, sondern aus Wettbewerbsgründen. Deutschland will zu den besten Wissenschaftsnationen der Welt zählen, und dafür muss man für die Klügsten aller Länder so attraktiv wie möglich sein.

Jedes Jahr im Sommer packt daher das Who’s who der deutschen Wissenschaft sein Köfferchen und begibt sich auf Werbetour in eigener Sache. Und zwar in die USA. Zum 17. Mal fand dort vergangene Woche die Jahrestagung des German Academic International Network (Gain) statt, in San Francisco. Das Netzwerk soll deutschen Forschungstalenten die Rückkehr in die Heimat schmackhaft machen. Die Teilnehmer: Funktionäre aus Ministerien und Hochschulen. Dazu die Führungsspitze der wichtigsten deutschen Wissenschaftseinrichtungen sowie eben einige Hundert zeitweise ausgewanderte Postdoktoranden. Internationalisierung rückwärts, sozusagen.

In ihren Anfängen, zu Beginn der nuller Jahre, war die Jahrestagung Avantgarde. Die deutsche Wissenschaft fing an, sich strategisch zu vernetzen – und anzupreisen, was man zu bieten hat. Kein Harvard, aber Max Planck; nicht viele Nobelpreisträger, aber smarte Humboldt-Fellows. Die jährliche Internationalisierungssause, abwechselnd an Ost- und Westküste der Vereinigten Staaten abgehalten, behauptete eine neue Konkurrenzfähigkeit.

Inzwischen aber stehen das Format und die Ziele der kostspieligen Tagung schief in der Zeit. Die deutsche Wissenschaft leidet längst nicht mehr unter einem Mangel an Nachwuchs. Für die vielen hoch qualifizierten Postdocs gibt es bei Weitem nicht genug Stellen.

Zudem scheinen die Workshops und Infostände ziemlich nutzlos zu sein: Bei einer Umfrage unter Teilnehmern der Gain-Tagung sagten 2012 gerade einmal fünf Prozent, die geknüpften Kontakte hätten zu ihrer Rückkehr nach Deutschland beigetragen.

Internationalisierung gestaltet sich heute viel mehr als früher durch harte Personalpolitik. Wer bietet den jungen Forschern die besten Verträge und Arbeitsbedingungen? Dass die Chefs von Ministerien, Hochschulen und Stiftungen für drei Tage um den halben Globus jetten, um sich selbst anzupreisen, wirkt antiquiert. Wenn Deutschlands Wissenschaft wirklich etwas zu bieten hat, erfahren die Postdocs davon durch ihre Community oder im Netz. Aber gewiss nicht in einem Hotel in Kalifornien.