Johanna Wanka 66, Bundesbildungsministerin, CDU

Bildungsnähe: maximal – Professorin (Mathematik), Ex-Rektorin, Chefin des BMBF

Publikationsstärke: mittelmäßig – Dissertation (1980) und bildungspolitische Aufsätze

Digitalfaktor: ausbaufähig – G 261.000

Das politische Berlin rechnete mit der Ministerin Johanna Wanka eigentlich nicht mehr. Sie selbst schon. "Ich habe für mich entschieden, was ich möchte. Alles andere hängt nicht von mir ab", sagte sie kürzlich. Als Annette Schavan 2013 wegen Plagiatsvorwürfen weichen musste, kam Wanka gelegen: pragmatisch, amtserfahren, Naturwissenschaftlerin, Ostdeutsche und verheiratet mit einem Wissenschaftler. Eine Art Angela Merkel der Bildungspolitik.

Geräuschlos regelt Wanka, was zu regeln ist. Die To-do-Liste der Scientific Community hat sie abgearbeitet: Sie hat den Wissenschaftsetat weiter gesteigert und Gelder gleichermaßen in Fläche wie Spitze gelenkt. Hat Professorinnen gefördert, Fachhochschulen unterstützt. Ihr größter Erfolg: Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern wurde für die Wissenschaft aufgehoben. Ideen hat ihr dieser Machtzuwachs allerdings nicht beschert. Der Kanzlerin hat’s unterm Strich gefallen, hört man. Und eine weitere Unions-Frau macht sich immer gut.

Prognose: Wanka bleibt – sofern die CDU das Ministerium nicht preisgeben muss

Hubertus Heil 44, Generalsekretär, SPD

Bildungsnähe: erkennbar – elf Jahre Studium (Politik, Soziologie)

Publikationsstärke: gering – drei Veröffentlichungen (als Mitherausgeber)

Digitalfaktor: hoch – G 300.000; f 3.817; T 56.000

"Er kann ohne weitere Vorbereitung in die Organisation einsteigen", hieß es in der SPD, als Hubertus Heil im Juni zum zweiten Mal SPD-Generalsekretär wurde. Der Satz gilt auch für das Forschungsministerium: Dem Politiker aus Hildesheim trauen viele fast jedes Amt zu, er macht da keine Ausnahme. Seit 1998 sitzt der Pragmatiker im Bundestag ("Heil ist weder rechts noch links", sagen politische Weggefährten), keiner der Kandidaten ist besser vernetzt. Tiefgründige Reden vor Professoren wären von Heil nicht zu erwarten, dafür ein weiterer Budgetaufwuchs für das Bildungsministerium.

Eine Nähe zum Ressort bringt Heil seit der Kindheit mit. Er ist Sohn einer Studienrätin und Mitglied im TSV Bildung in Peine. In die SPD trat er "aus Empörung über die unsoziale Bildungspolitik der CDU" ein. Seit 2013 ist Heil im SPD-Vorstand auch für Bildung und Forschung zuständig. Wer ihn über die Themen reden hört, meint, der Mann habe nie etwas anderes gemacht.

Prognose: Absolut ministrabel – wenn die SPD in der nächsten Regierung dabei ist