Petra Bahr ist Landessuperintendentin für den Sprengel Hannover. In ihrer Kolumne geht sie der großen Politik im Alltag auf den Grund. © Kulturrat der EKD

Duell, lateinisch: Zweikampf, ein freiwilliger Kampf mit gleichen, potenziell tödlichen Waffen, der von den Kontrahenten vereinbart wird, um Ehrstreitigkeiten auszutragen". So oder ähnlich steht es in den griffbereiten Lexika. "In den meisten Ländern ist das Duell verboten", wird meistens nachgeschoben. In der Tat: Duelle gehören in nebelverhangene Wälder, in denen um die Jahrhundertwende junge Männer ihren Liebeskummer mit Pistolenkugeln bekämpften. Eine untergegangene Welt aus Filmen und Novellen aus dem Deutschunterricht, eine Welt, in der eine moderne Demokratie der Freien und Gleichen und ihrer Repräsentanten vom Teufel ist.

Nicht nur der Begriff führt in die Irre, sondern auch die Idee, die Zuschauer würden dabei zusehen, wie zwei mit "potenziell tödlichen Waffen" aus Worten aufeinander losgehen. Nur ist ein Wahlkampf keine Frage der Ehre, sondern der überlegten Wahl, der Auseinandersetzung um die besseren Konzepte und Ideen, mit denen die großen und kleinen Fragen des zukünftigen Gemeinwesens politisch zu beantworten sein könnten. Nicht Bissigkeit oder gekränkte Gesichter, schon gar nicht subtile oder offensichtliche Beleidigung, kein kleines "Aus-der-Haut-Fahren" oder genervtes Augenrollen macht diesen Streit aus, sondern die überzeugenderen Argumente.

Wenn aber inszenatorisch eine Frage der Ehre draus wird, weil der große Streit um das bessere Programm nach Jahren gemeinsamen Regierens letztlich ausbleibt, ist auch bei noch so viel medialer Begleitmusik eigentlich das Thema verfehlt. Ein Duell passt nicht zur Demokratie, auch kein im Fernsehstudio inszeniertes. Richtiger Streit wäre allerdings eine hilfreiche Angelegenheit, eine Auseinandersetzung, wo Stiche und Treffer nicht nach dem Maß von Beleidigung und persönlichen Angriffen, sondern Leidenschaft fürs Erklären großer und kleiner Überzeugungen und nach dem Charisma für das schwere Amt gemessen werden. Dafür braucht es keine großen Auftritte und keine rhetorischen Feuerwerke, leise Töne, Beharrlichkeit, Diplomatie und Klarheit in der Sache können auch Wählerinnen und Wähler überzeugen. Die Kategorie des Duells verlangt nach Populismen, nach persönlichen Angriffen und nach Kränkungsbereitschaft. Der Kampf um die "Ehre" gehört in die Geschichtsbücher.