DIE ZEIT: Weltweit arbeiten Ingenieure an fliegenden Autos. In Dubai werden noch dieses Jahr Lufttaxis getestet, die autonom Passagiere über alle Staus hinweg zu ihrem Ziel bringen sollen. Wird Science-Fiction Wirklichkeit?

Florian Holzapfel: Ganz so weit sind wir noch nicht. Aber das fliegende Auto, wie es im Blockbuster Das fünfte Element zu sehen war, ist zumindest keine reine Science-Fiction mehr.

ZEIT: Wann wird das Flugauto zu unserem Alltag gehören?

Holzapfel: Um über längere Strecken elektrisch und möglichst emissionsfrei zu fliegen, braucht es noch Technologiesprünge, etwa bei der Entwicklung besonders leistungsfähiger Akkus oder bei mit Brennstoffzellen gekoppelten Hybridsystemen. Doch das dauert noch.

ZEIT: Wie lange?

Holzapfel: Ich denke, in Deutschland wird man die ersten realen Flüge in fünf bis zehn Jahren sehen. Aber vielleicht bin ich als deutscher Professor da auch ein wenig zu nüchtern.

ZEIT: Lassen sich die neuen Fluggeräte überhaupt in unsere derzeitigen Verkehrssysteme integrieren?

Holzapfel: Dass man schnell mal auf dem Parkplatz eines Supermarktes landet, um einkaufen zu gehen, das können Sie vergessen. Es könnte in großen Städten ein Dutzend kleiner Landeplätze geben, wo man senkrecht starten und landen und außen herum parken kann.

ZEIT: Aber Hubschrauber werden elektrisch betriebene Lufttaxis in naher Zeit doch ablösen?

Holzapfel: Bestimmt nicht, weil bei ihnen Reichweite und Nutzlast aus konstruktiven Gründen – hier geht es vor allem um die Größe der Rotoren – begrenzt sind.

ZEIT: In Deutschland arbeiten Firmen wie Lilium Aviation in München oder evolo im badischen Bruchsal an fliegenden Autos. Werden die einmal einem Massenpublikum zur Verfügung stehen?

Holzapfel: Fliegende Autos werden kommen, weil wir erstmals in der Geschichte in der Lage sind, solches Fluggerät seriös zu bauen und sicher zu betreiben. Allerdings werden sie nicht für jedermann sein, es wird ein Nischenmarkt bleiben.

ZEIT: Warum?

Holzapfel: Weil beim Personentransport in der Luft Sicherheit das A und O ist. Je sicherer ein System sein soll und sein muss, desto teurer wird es.

ZEIT: In Megacitys wie São Paulo lassen sich die Reichen per Privathubschrauber über die Monsterstaus zu ihren Büros und Wohnhäusern fliegen. Wird das Lufttaxi auch bei uns ein Privileg für die besonders Vermögenden sein?

Holzapfel: Nicht unbedingt. Für den Taxipreis wird es sicher nicht zu haben sein, aber nehmen Sie einen Geschäftsmann, der für einen Tag zu einer Besprechung von New York nach München kommt und dafür ein paar Tausend Euro zahlt. Der hat auch noch die paar Hundert Euro, um per Lufttaxi schnell vom Flughafen in die City zu fliegen.

ZEIT: Bei kleineren Drohnen ist die Entwicklung schon weiter. In Singapur soll es ein Restaurant geben, wo Drohnen das Essen zu den Tischen fliegen.

Holzapfel: Das würde ich mehr als Kuriosität oder Werbegag sehen. Ganz anders ist es mit Drohnen, die Leben retten können, etwa bei der Bergwacht oder dem Seenotrettungsdienst. Viel hat sich natürlich auch im militärischen Bereich getan. Aber die meisten Drohnen sind glücklicherweise zivile Entwicklungen. Das ist ein großer Veränderungsprozess, von dem wir alle profitieren werden. Man kann von einer technologischen Revolution sprechen. Drohnen kontrollieren unsere Infrastruktur, etwa Windräder, Strommasten, hohe Gebäude. Bisher brauchte man Gerüste, Drehleitern, Hubschrauber dafür. Das geht mit Drohnen viel billiger und bequemer.