Sebastian Friedrich, 30,

hat Wirtschaftsingenieurwesen für Maschinenbau studiert, gründete dann eine Spielzeugfirma.

Eigentlich wollte ich Unternehmensberater werden. Kurz vor meiner Diplomarbeit habe ich ein Praktikum bei einer Innovationsberatung gemacht. Da brütet man wochenlang über Problemlösungen und innovativen Konzepten, aber am Ende setzen die Unternehmen kaum etwas davon um. Wenig motivierend. Viele meiner Kommilitonen aus Magdeburg zog es zu VW. Aber auch das reizte mich nicht. Die Vorstellung, in einer Konzernstruktur zu arbeiten, in der es meine Aufgabe ist, den linken Frontscheinwerfer des neuen VW Golf bis ins letzte Detail zu perfektionieren, war mir einfach zu begrenzt. Also lag es nahe, mein eigenes Ding zu machen. Ich hatte an der Uni schon ein Labor mitgegründet, in dem Studenten mit 3-D-Druckern Prototypen herstellen konnten. Mein Partner, ein ehemaliger Unternehmensberater, und ich wollten Dinge produzieren, die man schnell in der Hand hat, anfassen kann. Was aber wollten wir drucken? Einlagen für Schuhe? Ersatzteile? Wir hatten viele Ideen. Damals an der Uni gab es immer Sticheleien von den Maschinenbaustudenten, die in einer riesigen Werkhalle neben unserem Innovationslabor mit exotischen Materialien arbeiteten und an teuren, komplizierten Maschinen saßen. Wir dagegen verwendeten bunte Kunststoffe, und unsere Geräte waren klein und preiswert. "Damit kann man doch nur Spielzeug machen!", riefen sie. Anstatt uns zu ärgern, dachten wir: gute Idee. Und so bieten wir mit TinkerToys heute eine einfach zu bedienende Software an, mit der Kinder zu Hause oder bei uns in 3-D-Druck-Kursen ihr eigenes Spielzeug gestalten können. Wir drucken es anschließend dreidimensional aus.

Vor vier Jahren starteten wir in die Selbstständigkeit mit einem Stipendium, das ich nach meiner Diplomarbeit bekam, viel Unterstützung vom Gründernetzwerk der Uni und einem freiberuflichen Spielzeugdesigner, den wir in unser Gründerteam holten. Unsere Firma wächst und entwickelt sich. Inzwischen arbeiten wir mit Auto- und Einrichtungshäusern sowie Einkaufszentren zusammen; dort können Kinder am Tablet Fahrzeuge, Roboter, Tiere, Spielzeuge entwerfen, die wir den Kindern dann später zuschicken. Wir bieten auch Kindergeburtstage an und Workshops. Ich bin hier jeden Tag mit neuen Herausforderungen konfrontiert, und, klar, manchmal, wenn man einem Investor gegenübersitzt, der nicht so recht anbeißen will, dann denkt man schon, das kleine Büro beim großen Autohersteller wäre gar nicht so schlecht gewesen, aber ich bereue meine Entscheidung nicht. Und wenn der Ingenieur in mir durchkommt, dann lass ich den Papierkram einfach liegen, zieh mich in unsere Werkstatt zurück und tüftle an unserer Technik herum. Wenn die Kinder immer verrücktere Ideen für ihre Spielzeuge haben, müssen unsere Drucker schließlich immer besser werden.

Philipp Deslandes, 35,

Wirtschaftsingenieur, kündigte bei Bosch, um ein Fitnessmode-Label zu gründen.

Ich habe ein Unternehmer-Gen. Ich treffe gern Entscheidungen. In meinem dritten Jahr bei Bosch habe ich bei einem Managementseminar einen Elektroingenieur kennengelernt, der ganz ähnlich tickte. Abends beim Bier haben wir schon von ersten Ideen geredet, mit denen wir uns selbstständig machen könnten. Ich war damals sieben Abende in der Woche im Fitnessstudio und habe neue Fitnessbekleidung gesucht, aber die Sachen für Bodybuilder waren alle so kartoffelsackmäßig und gingen erst ab Größe XL los. Also musste ich mir etwas aus Amerika bestellen. Als es da war, habe ich gesagt: Mensch, lass uns Fitnessmode machen! Etwas für Leute, die sich nicht so aufpumpen wollen. Nach drei Tagen hatte ich ihn überzeugt. Einen Monat später legten wir los. Damals hatten sich in Amerika gerade neue Marken etabliert und Millionenumsätze erzielt. Das war aufregend, wir wussten: Wenn das Ding anfängt zu fliegen, gehen wir voll rein, nicht nur nebenberuflich. Wir haben die Firma im Juli 2013 gegründet. Im Dezember hatte ich bei Bosch gekündigt. Ich hätte die Stelle sowieso wechseln sollen, deshalb hat das ganz gut gepasst. Sogar mein Vorgesetzter hat gesagt: Wenn es das ist, was du machen willst, dann mach das. Angefangen haben wir bei mir zu Hause, Altbauwohnung, dritter Stock. Mit einer Siebdruckmaschine haben wir die ersten T-Shirts bedruckt. Bei Bosch waren 80 Leute an einem Produktentwicklungsprozess beteiligt. Hier habe ich einfach selbst ein T-Shirt entworfen und dann online gestellt. Mehr als einmal habe ich mir allerdings jemanden aus dem großen Unternehmen an die Seite gewünscht. Ich konnte nichts delegieren, keine Marketingabteilung sprang ein, für alles musste ich selbst eine Lösung finden. Finanziell war es ein Risiko, kein festes Gehalt mehr zu bekommen. Wir haben ohne Anfangsinvestition, ohne Fremdkapital begonnen, 500 Teile in je drei verschiedenen Farben hergestellt und verkauft und von dem Erlös dann die nächsten hergestellt. Weil wir diesen Boom erwischt haben, war das Problem eher, die hohe Nachfrage zu befriedigen. Aus der Hemdsärmeligkeit in die Professionalität, und das in extremer Geschwindigkeit. Wir wussten, wenn wir das nicht in den Griff bekommen, kann es auch schnell wieder vorbei sein. Schon eine negative Bewertung im Internet löst eine Lawine aus. Am Anfang haben wir fast im Büro gewohnt: von sieben bis 24 Uhr gearbeitet. Nach dem Aufstehen sofort in den sozialen Medien nachgeschaut: Gibt es Feedback, gibt es neue Konkurrenten? Dann die Fragen: Sind alle Pakete rausgegangen? Gab es Retouren? Wie viele? Warum? Und im Posteingang hundert Mails, die ich beantworten musste. Zweieinhalb Jahre lang bin ich selbst nicht mehr zum Sport gekommen. Gerade sattle ich wieder um und gründe das nächste Start-up: einen Online-Marktplatz für Sportwissen.