Zehntausend Künstler leben nach jüngsten Schätzungen in Berlin – und die meisten brauchen ein Atelier. Da kommt der "Masterplan Art Studios 2020" gerade recht: Dass der offizielle Atelierbeauftragte Berlins darin 2.000 neue Werkstätten verspricht, klingt gut. Weniger gut klingt, dass in Wedding gerade fünfzig Künstler um ihre Arbeitsräume fürchten. Dort hat Immobiliengesellschaft Augustus Capital Management fast alle Aktien der Uferhallen AG übernommen, die bis vor Kurzem für ihre Pläne einer "neuen Kulturinsel" gefeiert wurde. Die Immobiliengesellschaft, die Alexander Samwer, dem jüngsten der Rocket-Internet-Brüder gehört, besitzt nun die verbliebene Hälfte des denkmalgeschützten Areals. Kostenpunkt: 27 Millionen Euro. Was bleibt von den hehren Plänen von damals?

Gerade einmal sechs Millionen Euro zahlte die Uferhallen AG 2006 bei der Übernahme von der Stadt für 38.000 Quadratmeter. Die Hälfte wurde in der Zwischenzeit verkauft. Die verbliebenen Gebäude teilen sich Künstler wie Asta Gröting, John Bock oder Monica Bonvicini mit weniger bekannten Kollegen. Sie alle fürchten nun die Verdrängung durch potentere Mieter wie Start-ups – etwa von Rocket Internet selbst. Der Senat hatte mitgeboten, jedoch nur bis zum aktuellen Verkaufswert der Immobilie – gerade mal die Hälfte dessen, was Augustus Capital zu zahlen bereit war. Im schlimmsten Fall gibt es fünfzig Ateliers weniger – kein guter Start für einen Masterplan, der Künstler in Berlin halten will.