Auf dem Kunstmarkt lässt sich viel Geld verdienen, wenn man es mit den Gesetzen nicht so genau nimmt. Das zeigt der Fall des Düsseldorfer Kunstberaters Helge Achenbach, der 2015 wegen Betrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Achenbach hatte die Einkaufsrechnungen von Oldtimern und Gemälden gefälscht, die er an einen Aldi-Erben weiterverkaufte. Aus Dollar wurden auf dem Papier wertvollere Euro. Und die scheinbar bescheidenen Provisionen von fünf Prozent für Achenbach zu einem lukrativen Geschäft.

Berichte wie diese liest man immer mal wieder über den Kunsthandel, dabei werden nur die wenigsten Fälle öffentlich bekannt. Und das liegt hauptsächlich daran, dass die Kunstgeschäfte alles andere als transparent ablaufen. Viele Käufer und Verkäufer bevorzugen Geschäfte, bei denen die Konditionen, die Besitzerwechsel und Preise nicht bekannt werden. Eingefädelt von Kunstberatern, Art Consultants oder Experten. Gegen Zahlung kräftiger Provisionen.

Vor allem die Experten und ihre exorbitanten Honorare spielen immer eine besonders fragwürdige Rolle im Kunstgeschäft. Das zeigt der derzeit wohl bekannteste Betrugsfall durch den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi. So bekam Werner Spies, bislang unbestrittener Kenner des Werkes von Max Ernst, jeweils einen dreistelligen Betrag von Beltracchi, weil er dessen Fälschungen mit einer Echtheitsexpertise adelte.

Da der Kunstmarkt so intransparent ist, bietet er viel Raum für falsche Wahrheiten. Millionenbilder sind prestigeträchtig. Aus diesem Grund wird bei privaten Verkäufen gern als Gerücht gestreut, was sich dieser oder jener Millionär seinen Picasso, seinen Warhol, seinen Modigliani habe kosten lassen. So hieß es, die Schweizer (Privat-)Stiftung Staechelin habe 2014 für Paul Gauguins Nafea faa ipoipo von dem ungenannten Käufer – der bald als Emir von Katar erkannt wurde – 300 Millionen Dollar erhalten. Doch nun kam heraus, dass es lediglich 210 Millionen Dollar waren.

Der Sammler und Auktionator Simon de Pury hat in London die Stiftung verklagt, weil sie ihm als Vermittler des Verkaufs nicht die angemessenen zehn Millionen Dollar Kommission zahlen wolle. Darüber gebe es zwar keinen Vertrag. Aber, wie sein Anwalt ausführte, sei es üblich, "to operate in a gentlemanly manner, based on mutual trust." Angesichts dieser Usancen unter Ehrenmännern fragt man sich bei anderen Rekordverkäufen natürlich, ob der Emir von Katar für Die Kartenspieler von Paul Cézanne tatsächlich 250 Millionen Dollar gezahlt hat.

Zu den geheimen Geschäften gehört auch, dass Kunstwerke als Ersatzwährung bei Bestechungen dienen. So heißt es, Michel Platini habe als Uefa-Präsident, um für die Weltmeisterschaft in Russland zu stimmen, von Moskau ein Gemälde von Picasso geschenkt bekommen – was er allerdings dementiert. Genauso sei in China, bevor die Antikorruptionskampagne der Parteiführung die Kader das Fürchten lehrte, jene elegant bribery üblich gewesen: Man schenkte dem zu Bestechenden ein teures Kunstwerk, das er umgehend zu Geld machen konnte. Das soll für die Auktionshäuser in Peking durchaus ein beträchtlicher Umsatzfaktor gewesen sein.

Angesichts dieser grauen Zonen und geheimen Ecken des Kunstmarktes unterschied John Zarobell, Associate Professor an der University of San Francisco, vier Stufen der undurchsichtigen Kunstmarktökonomie. Er lehnt sich dabei an das Buch The Underground Economies von Edgar Feige an. "Informal", üblich und nicht zu beanstanden seien die direkten Verkäufe eines Künstlers. Bei der unrecorded economy, also den Käufen unter der Hand, nähere man sich allerdings bereits der Grauzone. Die wird betreten bei der unreported economy, dem bewussten Vermeiden von irgendwelchen Aufzeichnungen und Dokumenten, um die diversen Steuern zu sparen. Der illegal economy schließlich ist alles zuzurechnen, was – wie Diebstahl, Raub, Hehlerei, illegaler Einfuhr, Raubgrabungen und dergleichen– bewusst Gesetze missachtet.

Damit geraten auch die Zollfreilager ins Zwielicht. Sie sind eine Art Zwischenlager für den grenzüberschreitenden Kunsthandel und helfen dabei, Steuern und bürokratischen Aufwand beim Im- und Export zu reduzieren. Sie sind weitgehend anonym und handelspolitisch fast exterritorial, dienen mal als Transitstation und mal als längerer Aufenthaltsort für besondere Werke. Damit können sie jener illegal economy nützlich sein, die das hässliche Gesicht der schönen Künste ist.