Wer mit steifem Hals aufwacht, den überfällt oft leichte Panik. Über Nacht muss da etwas kaputtgegangen sein! Also schnell das Smartphone schnappen und bei Google nach Erklärungen suchen? Besser nicht: Denn die vorgeschobene Nackenhaltung beim Blick auf das Display kann die Beschwerden noch verschlimmern. Was also tun? Verzagt im Bett zu bleiben hilft jedenfalls nicht.

1. Da ist kein Spiel mehr. Wenn der Hals klemmt, haben wir womöglich zu lange in einer bestimmten Körperhaltung verharrt. Dann verspannen sich die Muskeln und behindern das Spiel der Gelenke zwischen den Wirbelkörpern. Diese kleinen Gelenke liegen normalerweise von der Gelenkkapsel umhüllt unter Sehnen, die in Muskeln übergehen. Verspannt die Muskulatur aber, wird das freie Spiel der Gelenke gestört: Sie sitzen dann fest und können sich nicht mehr richtig drehen. Wir nehmen das als Steifheit oder Blockade wahr.

Regelmäßige Bewegung hilft, die Muskulatur zu lockern und so einem steifen Hals vorzubeugen: Ausdauersport – etwa Walken – sorgt zudem für eine gute Durchblutung, sodass der Körper warm wird und sich Verspannungen lösen. Auch gezielte Übungen helfen: Eine Hand auf das gegenüberliegende Ohr legen und den Kopf sanft zur Seite ziehen. Dadurch wird die Halsmuskulatur gedehnt. Dann mit dem Kopf gegen die Hand drücken und die Muskeln anspannen. Diesen Wechsel aus An- und Entspannung mehrfach wiederholen – zu beiden Seiten.

2. Die Zugluft hat uns kalt erwischt. Das ist der Klassiker: Da hat jemand Zug bekommen und kann den Hals nicht mehr bewegen. Aber wie kann es überhaupt sein, dass ein Lüftchen uns derart steif werden lässt? Grund dafür ist ein Selbstschutzmechanismus: Wenn die Halspartie durch kalte Luft allmählich auskühlt, wird dieser Reiz über die Haut als elektrischer Impuls von Nervenverbindungen in das Rückenmark und weiter ins Gehirn geleitet. Dort kommt die Botschaft "riskante Unterkühlung" an. Reflexhaft wird die Muskulatur in dem betroffenen Bereich aktiviert und verhärtet sich. Die Blutgefäße verengen sich, was die Durchblutung beeinträchtigt und die Wärmeabgabe nach außen reduziert. Das soll die Versorgung der lebenswichtigen inneren Organe sichern – tut aber weh. Gleichzeitig werden durch die Muskelverhärtung die Wirbelgelenke blockiert, um Schäden an der Halswirbelsäule zu vermeiden. Denn Wirbelgelenke, Halswirbel und Bandscheiben sind perfekt miteinander verzahnt. Tanzt von den dreien einer aus der Reihe, ist die Funktion der ganzen oberen Wirbelsäule gestört. Der Körper blockiert dann sicherheitshalber jegliche Bewegung, bis das Signal zur Entspannung kommt. Dann verschwindet auch der steife Hals. Wer diesem Alarmgeschehen zuvorkommen will, bindet bei Zugluft am besten einen Schal um.

3. Wir werden zur Schildkröte. Stehen wir seelisch unter Druck, begeben wir uns oft unbewusst in eine Haltung, die dieses Empfinden widerspiegelt: Wie eine Schildkröte ziehen wir den Kopf ein und die Schultern hoch. Für das Gefühl, geschützt zu sein, zahlt der Körper auf Dauer jedoch einen Preis: Die Muskeln im Schulter- und Nackenbereich verkürzen und verhärten sich durch die ständige Anspannung – Steifheit und Schmerz sind die Folge. Dabei ist Schmerz das Signal des Organismus, die Haltung zu wechseln und die verkrampfte Muskulatur zu lockern. Ein heißer Duschstrahl direkt auf die Schmerzstelle, die man dabei sanft dehnt, kann schon helfen, den steifen Panzer abzuwerfen.