I. Wenn sich der Künstler wiederholt

"Das gibt’s nur einmal", heißt es oft in der Werbung. Auf viele Kunstwerke mag das sogar zutreffen. Doch nicht wenige gibt es mehr als einmal: Arnold Böcklin malte seine berühmte Toteninsel fünfmal. Die Sünde wiederholte Franz von Stuck, weil die Kunden Schlange standen, es gibt zwölf Versionen. Wenn der Künstler sein eigenes Gemälde erneut malt, spricht man von einer Replik oder einer "eigenhändigen Kopie".

II. Wenn die Werkstatt Hand anlegt

Von Luther als Junker Jörg – wie der Maler Lucas Cranach das Porträt nannte – existieren mehr als zwei Dutzend Fassungen. Das begehrte Werk mussten die Gesellen in seiner Wittenberger Werkstatt wieder und wieder malen. Da sich diese Kopien gleichen, lässt sich kaum sagen, bei welcher Version Cranach selbst zum Pinsel gegriffen hat, was noch Replik sein könnte, was schon Kopie ist. Denn die Gemälde, die im Atelier eines Meisters entstanden, galten stets als sein Werk, weil er für die Qualität bürgte.

III. Wenn ein Maler ein Bild kopiert

Die Madonna des Bürgermeisters Meyer von Hans Holbein, auch die Darmstädter Madonna genannt, gibt es zweimal. Die eine in Schwäbisch Hall, die andere in Dresden. Lange war umstritten, welche Fassung das Original sei, ehe technologische Untersuchungen bewiesen, dass die Dresdner Version die spätere Kopie ist. Berühmte Gemälde zu kopieren war bis weit ins 19. Jahrhundert üblich, wenn das Original für einen Sammler unerreichbar blieb. Anders als die Repliken, die als Original gelten, sind diese Kopien weder Original noch Fälschung.

IV. Wenn Früheres neu geschaffen wird

De Chirico hat seine begehrten frühen "metaphysischen" Bilder Jahre später mit geringen Abweichungen erneut gemalt. Marcel Duchamp wiederholte seine nicht erhaltenen Original-Readymades aus den 1910er Jahren in den 1960er Jahren als Editionen. Georg Baselitz kam in den 2000er Jahren mit Remix auf seine skandalträchtigen Gemälde von 1962/63 zurück. So entstanden neue Fassungen vertrauter Werke. Repliken sind das nicht – obwohl oft genug alles, was Kopie, Nachahmung, Fälschung oder Kunstdruck ist, wie etwa die "Dietz-Repliken" oder andere Werke, "Replik" genannt wird.