Am 26. September 1897 besuchte der "Großkritiker" Alfred Kerr das Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft 1827: "Jeden Tag zermartern sie sich die Gehirne, die Meister der Erde, und um sie herum rauscht und brandet das Leben und der Daseinskrieg, und sie sitzen auf einer Insel und wirtschaften erbarmungslos mit Königen und Königinnen auf bemalter Wachsleinwand."

Es gewann schließlich der geniale Ungar Rezsö Charousek (1873 bis 1900) – dem Gustav Meyrink in Der Golem ein Denkmal gesetzt hat – vor dem Berliner Carl August Walbrodt (1871 bis 1902).

Michael Negele gibt in der Kulturschachzeitschrift Karl eine zeitgenössische Charakterisierung wieder: "Walbrodt war ein interessantes Männlein in der Gesellschaft der Meister. Die Verkleinerungsform trifft wortwörtlich zu, denn er war ein Winzling. Selbst wenn er von seinem Stuhl aufstand, schien er nicht größer zu sein als im Sitzen, und er warf keinen Schatten aufs Brett."

Dafür konnte der schattenlose Winzling prächtig austeilen. Er schrieb: "Charousek hält sich für einen Schachgott (...). Ich halte ihn noch für zu jung, um einen solchen Erfolg wie diesmal vertragen zu können." So der 26-Jährige über einen 24-Jährigen. Den er zu seiner Genugtuung besiegt hatte.

Wohl gab es auch andere, langwierigere Gewinnwege, doch welcher elegante Schlusszug von Walbrodt als Weißem ließ Charousek sofort aufgeben? Tragischerweise starben beide bald darauf an Lungentuberkulose.

Lösung aus Nr. 36:

Wie hätte Weiß matt setzen können?

Mit dem Springeropfer 1.Sc7+! – nach 1...Dxc7 2.Dxf7+ Kd7 3.Le6 matt erstickt der schwarze König im eigenen Figurenknäuel. Hingegen würde 1.Sxf6+ an 1...Txf6 2.Dg8+ Lf8! (nicht aber 2...Tf8? 3.Lf7 matt) scheitern