Ein bekannter Hamburger Privatbanker antwortet auf diese Frage ketzerisch: "Bei Lichte betrachtet handelt es sich um einen Investmentverein Warburg/Olearius mit angeschlossener Bank." Zugleich sagt er voller Hochachtung: "Die Warburg-Bank kann Dinge, die andere nicht können. Dorthin gehen Sie auch heute noch, wenn Sie als exklusiver Kunde nach einer maßgeschneiderten Finanzierungslösung suchen." Die beiden Aussagen decken sich mit dem, was auch andere sagen, die die Bank gut kennen.

Besuch in der Zentrale der Warburg-Bank, zwischen Thalia Theater und Binnenalster gelegen. Wer das Gebäude betritt, wird überrascht. Denn bei Warburg gibt es Dinge, die man bei einer klassischen Privatbank eigentlich nicht erwarten würde: einen Handelsraum zum Beispiel, der, wenn er größer wäre, auch einem Wall-Street-Film entsprungen sein könnte. Oder eine klassische Kassenhalle, die nicht viel anders aussieht als ein Schalterraum der Haspa-Zentrale – zumindest wenn man sich die marmornen Säulen wegdenkt.

Erst ab dem zweiten Stock kommen dann die diskreten Zimmer mit den tiefen Ledersesseln, wie sie für Privatbanken charakteristisch sind. Dort befindet sich auch die Kantine, die allerdings nicht Kantine heißt, sondern: "Kasino". Am Kopfende, durch eine Empore leicht erhöht, steht ein Flügel.

Als vielleicht einzige deutsche Bank macht Warburg wirklich noch alles, was eine Bank machen kann: Aktienhandel und Girokonto. Vermögensverwaltung und Immobilienfinanzierung. Schiffskredite und Devisentransaktionen. Warburg ist eine kleine Großbank mit immer engeren Büros, weil allein in der Zentrale 500 Mitarbeiter Platz finden müssen.

Bezeichnend für ihre Geschäftsausrichtung ist, dass nicht einmal tendenziell administrative Tätigkeiten wie die Wertpapierabwicklung ausgegliedert werden, auch wenn es sich für eine Bank wie Warburg kaum rechnen kann, solche Aufgaben selbst zu erledigen. Sie machen alles selbst. Frage an den Sprecher der Bank: "Aber wenigstens die Kantine lassen Sie von einem externen Dienstleister betreiben?" – "Nein", sagt der Sprecher.

Das mag alles sehr sympathisch sein. Aber ist es noch zeitgemäß?

Unter dem alten Olearius hatte Warburg sehr viel mehr gute als schlechte Jahre. Schaut man in Archive, vermittelt sich allerdings der Eindruck, dass die Erträge immer auch aus sehr speziellen Deals kamen. Im Jahr 2006 erwarb Warburg im Verbund mit der Hamburger Reederei Döhler und weiteren Investoren die Mehrheit an der Deutschen Hypothekenbank: Ein kühner Zug, denn das übernommene Institut war viel größer als Warburg selbst. Kurz darauf wurden die Anteile weiterverkauft, an die Norddeutsche Landesbank. Mit üppigem Gewinn.

Ein anderes Beispiel: Als 2009 eine der größten Übernahmeschlachten der deutschen Industriegeschichte tobte, nämlich Schaeffler gegen Continental, war Olearius mittendrin. Zwischenzeitlich gehörten der Bank 19 Prozent der Continental-Aktien, ein unglaubliches Manöver – doch auch hier mit mutmaßlich erfolgreichem Ausgang.

Kleine Möglichkeiten nutzen, große Deals machen. So ging das jahrelang. Ein altgedienter Warburg-Mitarbeiter sagt: "Die Marschroute des alten Olearius lautete: Haltet die Augen auf, irgendwas liegt immer am Wegesrand."

Und beim jungen Olearius?

Der muss sich heute mit Problemen herumschlagen, die der Vater nicht kannte. Mit niedrigen Zinsen. Mit immer härterer Regulierung. Mit der Schiffskrise. Mit der digitalen Konkurrenz. Hinzu kommt, dass der junge Olearius, wie wohl jeder Sohn, der das Gleiche wie der Vater macht, in einer undankbaren Position steckt. Bevor er 2014 zum Chef aufstieg, leitete er den Privatkundenbereich. Doch nicht das wird über ihn erzählt. Sondern dass er zuvor als leidenschaftlicher Landwirt das elterliche Gut betrieben hatte. "Der Vater ist Banker bis in die letzte Haarspitze, der Sohn ist das nicht", sagt ein ehemaliger Konkurrent.