Die Internationale Automobilausstellung hatte noch gar nicht begonnen, da überboten sich die deutschen Hersteller mit ihren Ankündigungen zum großen Zukunftsthema. "Wir werden liefern", sagte Volkswagen-Chef Matthias Müller und erklärte, bis 2030 werde man die 300 Automodelle des Konzerns mit Elektromotor anbieten. Auch BMW und Daimler versprachen dem E-Antrieb eine rosige Zukunft.

Wird aus dem Verbrennungsmotorland Deutschland nun doch ein E-Land? Jemand, der das denken könnte, ist Maik Deusch. Seit in mehreren deutschen Städten Diesel-Fahrverbote drohen, macht er ein sehr gutes Geschäft. Vor zwei Jahren begann der 40-jährige Daimler-Ingenieur in Herxheim bei Landau nebenberuflich Elektroautos verschiedener Marken zu verkaufen – eine Entscheidung, die sich gelohnt hat. "Die Fahrverbote sind momentan ein richtiges Angstthema", sagt Deusch. "Nur noch einen Diesel zu haben ist vielen zu riskant. Deshalb hat sich mein Absatz in den vergangenen drei Monaten mehr als verdoppelt."

Doch Deusch beobachtet noch etwas anderes: Für Elektroautofahrer wie ihn ist die Fahrt durch Deutschland verwirrend, kompliziert und nervig. Dutzende verschiedene Betreiber haben in den vergangenen Jahren Ladesäulen aufgestellt und sich unterschiedlichste Wege ausgedacht, über die der Nutzer bezahlen kann: per App, per Ladekarte oder per SMS. Ganz selten auch bar oder mit Kreditkarte. Hinzu kommt, dass für den Fahrer oft nicht transparent ist, wie viel er eigentlich an einer Säule zahlen muss, und dass er unterschiedliche Apps und Webseiten nutzen muss, um alle Säulen zu finden. Denn ein vollständiges Verzeichnis aller Ladestationen existiert in Deutschland nicht.

"Wer mit seinem Elektroauto immer nur in der Heimat herumfährt, hat zwar kein Problem", sagt Deusch. Doch wer reise, der müsse seine Route genau planen: "Das ist der größte Hemmschuh für Elektroautos in Deutschland."

Das Chaos hat einen einfachen Grund: Nicht nur große Energiekonzerne können in Deutschland Ladesäulen aufstellen, sondern auch Rastplatzbetreiber und Autobauer, ebenso wie Campingplatzbesitzer, Bürgermeister, Autohändler und überzeugte Bürger in ihren Garageneinfahrten. Einen Überblick hat niemand, denn niemand hat all die verschiedenen Stromtankstellen von Anfang an konsequent erfasst.

So kommt es, dass die Bundesnetzagentur nur rund 7.300 Ladepunkte zählt, eine ifo-Studie im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie hingegen knapp 25.000 Säulen. Wo sollen die zu finden sein?

Fragt man den Bundesverband eMobilität, dann verweist dieser auf eine Internetseite, die ein Maschinenbaustudent 2011 als Hobby aufbaute: GoingElectric. "Ich interessierte mich für Elektroautos und wollte mich mit anderen austauschen", sagt Guy Weemaes, der heute von seiner Plattform lebt. Er stellte eine interaktive Landkarte mit "Stromtankstellen" auf seine Webseite, die sowohl von Betreibern als auch von Forumsnutzern gemeldet werden können. Nutzer, die dort erfolgreich aufladen, können die Existenz der jeweiligen Säule verifizieren. Heute zeigt die Karte für Deutschland rund 27.500 Ladepunkte – gewöhnliche Steckdosen herausgerechnet, noch immer rund 19.000.