Erika Hoffmann ist eine leise Frau. Leidenschaftlich wird sie, wenn sie über die Kunst spricht. In ihrem Berliner Fabrikloft sieht es aus wie in einem Museum. Sie lebt mit den Werken, die sie jedes Jahr neu hängt. Ein Anlass, die Sammlung zu besuchen, die sie an Wochenenden öffentlich zeigt.

DIE ZEIT: Frau Hoffmann, Sie haben zusammen mit Ihrem Mann Rolf 1968 aus Liebe zur Kunst zu sammeln begonnen. Stört es Sie, dass heute so viel über die Preise gesprochen wird?

Erika Hoffmann: Es stört mich, wenn es das Erste und Wichtigste ist, was über ein Kunstwerk gesagt wird. Die bloße Idee, in Kunst zu investieren, lässt mich zweifeln, ob ich hier weitermachen kann, weil diese Sammlung eben nicht als Investition gedacht ist, sondern als etwas, das zum Leben gehört. Kunst, mit der ich mich täglich auseinandersetzen will. Deshalb hänge ich die Arbeiten in meiner Wohnung auf.

ZEIT: Wie beeinflussen Preise Ihre Sammlung?

Hoffmann: Es geschieht öfter, dass Besucher gerade gehört haben, welchen Preis ein Kunstwerk erzielt hat, und nun Vergleiche anstellen. Wenn der Preis so in den Vordergrund rückt, verdrängt er den Wert, den ich darin sehe: die Reflexion der Wirklichkeit – nur dafür möchte ich meine Wohnräume öffentlich machen.

ZEIT: Über den Wert Ihrer Sammlung zu sprechen kann auch eine Chance sein.

Hoffmann: Das ist für mich nicht relevant. Mein verstorbener Mann und ich haben nie etwas verkauft. Wir wollten mit der Kunst zusammenleben.

ZEIT: Auch keine Kunstwerke, die Sie heute nicht mehr erwerben würden?

Hoffmann: Natürlich gibt es solche Arbeiten. Mein Geschmack ist ein anderer als vor zwanzig Jahren. Manches finde ich heute nicht mehr so wichtig, manches sogar langweilig. Diese Werke habe ich eingelagert. Wenn ich ein solches Werk zehn, fünfzehn Jahre lang nicht hervorhole, wird mir bewusst, dass es mir nicht mehr genug bedeutet. Aber das könnte sich auch wieder ändern.

ZEIT: Verliert die Kunst damit an Wert?

Hoffmann: Für mich persönlich nicht. Wenn wir andererseits um eine Leihgabe gebeten werden, staunen meine Mitarbeiter und ich über die Höhe des Versicherungswertes.