I. Der Lieblingsbuchstabe

Auktionatoren haben – jedenfalls wenn Englisch ihre Handelssprache ist – eine Vorliebe für das Vokabular, das mit D beginnt. Und zwar gleich dreifach. "Divorce, Debt, Death" hören sich in ihren Ohren an wie aufmunternde Zauberworte. Scheidung, Schulden oder der Tod zwingen Besitzer oft zum Verkauf ihrer Sammlungen. Manche fügen auch noch "Drugs, Disease, Duty" hinzu, denn auch Drogenabhängige, Kranke und Menschen mit Steuerschulden brauchen häufig Bargeld. All diese D-Wörter beschreiben somit Ereignisse, die den Auktionshäusern attraktive Versteigerungsobjekte zukommen lassen können. "Deshalb begann mein Tag mit Zeitungslektüre, erst die Gesellschaftsseiten, dann die Todesanzeigen", verriet der Schweizer Simon de Pury über seine Anfangsjahre als Auktionator.

II. Divorce

Die Zeiten, in denen der Mann bei einer Scheidung das Familienvermögen behielt und die Frau mit kargem Unterhalt abgespeist wurde, sind vorbei. Heutzutage muss geteilt werden, was beide erworben haben und besitzen. Auch die Kunstsammlung. Können die beiden sich nicht einigen, muss verkauft werden.

Das zeigt gegenwärtig der Fall von Melissa und Robert Soros, dem Sohn des Milliardärs George Soros. Auf 22 Millionen Dollar werden die Werke von Christopher Wool, Jeff Koons und drei anderen Künstlern geschätzt, die – weil keiner sie dem anderen überlassen will – zur Auktion wandern.

III. Debt

Wer sich verspekuliert, schlechte Geschäfte gemacht oder anderweitig sein Vermögen verbraten hat, dem bleibt oft nur, die Kunst zu verkaufen, um seine Schulden zu begleichen. Rolf Deyhle, der Musical-Manager, der Cats, Miss Saigon oder Das Phantom der Oper in Deutschland heimisch machte, ist dafür ein Beispiel. Seine Gemälde von Hofer, Dix, Slevogt, Renoir, Schlemmer, Baumeister und anderen landeten 1999 bei Sotheby’s in London – und erlösten immerhin 6,6 Millionen Pfund, damals 20 Millionen Mark.

IV. Death

"Wollen die Kinder erben, müssen die Eltern sterben", wusste Erich Kästner. Und nicht nur die Kinder, auch die übrigen Erben lieben Bares oft mehr als die Kunst. Und so kam unter den Hammer, was Jacqueline Kennedy-Onassis, Liz Taylor, Yves Saint Laurent oder A. Alfred Taubman hinterließen, und erzielte gute Preise, denn prominente Vorbesitzer erhöhen den Wert.