Wer den ehemaligen Documenta-Chef Roger M. Buergel zum Direktor seines Museums beruft, erkennt das Haus danach nicht wieder. Buergel, der 2007 die Documenta 12 in Kassel leitete, hat sich einen Namen als Dekonstrukteur klassischer Kunstgeschichte gemacht. Nun räumt er in der Jacobs-Villa in Zürich auf, seit ihm die Erben vor drei Jahren die Kaffeesammlung des Jacobs Museums anvertrauten. Dort hatte der Industrielle Klaus J. Jacobs über Jahrzehnte nach seinem Geschmack eine lose Sammlung von Artefakten zur Kulturgeschichte des Kaffees zusammengetragen.

An die 250 historische Objekte, so hat Buergel entschieden, werden die Sammlung verlassen. Das Auktionshaus Lempertz versteigert sie am 16. November in Köln. Zu den Highlights gehören, neben einer Zeichnung des Berliner Malers George Grosz, die mindestens 30.000 Euro kosten soll, auch eine türkische Kaffeegruppe von 1780. Die beiden anderen erhaltenen Exemplare aus der Münchner Porzellan-Manufaktur Nymphenburg befinden sich in den Sammlungen des Metropolitan Museum of Art in New York und im Münchner Residenzmuseum. Geschätzt wird das Porzellanobjekt auf 4.000 bis 6.000 Euro. Zehnmal so viel soll eine Kanne aus vergoldetem Silber aus dem späten 17. Jahrhundert bringen.

Der Erlös fließt in den Ankauf neuer Werke. Buergel hat ein Auge auf zeitgenössische Kunst aus Afrika gelegt. Er will die "Geschichte und Gegenwart globaler Handelswege", die das Museum schon jetzt zeigt, auf alles ausdehnen, was eine kritische Aufarbeitung braucht – Öl, Opium, Gold und Sklavenhandel. Aus dem Kaffeehaus soll so ein Institut mit globalem Anspruch werden.