Eine tiefe Zuneigung zu nicht ganz alltäglichen, cleveren Gaunern und Gangstern zieht sich durch Steven Soderberghs Werk. Immer wieder hat er sich coolen Delinquenten gewidmet, etwa in der Ocean’s- Reihe oder auch in Filmen wie The Limey und Out of Sight. Logan Lucky fügt dieser Tradition nun eine neue Facette hinzu, ohne über den Spaß an Handlung und Kolorit hinaus großartig Bedeutung produzieren zu wollen. Lieber blickt der Film voller Zuneigung auf seine zunächst etwas tumb wirkenden Helden. Es kann allerdings von Vorteil sein, für unterbelichtet gehalten zu werden. Die Hinterwäldler aus dem US-Bundesstaat Virginia in Steven Soderberghs neuem Film Logan Lucky sichern sogar ihre Existenz, indem sie vorgeben, eins und eins nicht zusammenzählen zu können. Sie sind arbeitslos, geschieden, behindert oder gleich mehreres davon, gelten als Loser, sogar als White Trash. Sie werden von aufgeblasenen Städtern schikaniert oder sind angeblich mit einem Fluch behaftet. Wie die "Pech-Logans" eben. Nicht nur, dass Jimmy Logan (Channing Tatum), einstige Football-Hoffnung, wegen Humpelns seinen Bauarbeiterjob verliert – seine Ex will auch noch mit der gemeinsamen Tochter über die Bundesstaatsgrenze ziehen. Auf Jimmys Ankündigung, einen Anwalt zu bemühen, antwortet die Verflossene (Katie Holmes): "Von welchem Geld?" Doch der Mann mit dem Stoppelbart entwickelt einen Plan.

Gemeinsam mit Familienmitgliedern und vertrauenswürdigen Bekannten will Jimmy im Nachbarstaat North Carolina das unterirdische Rohrpostsystem anzapfen, das die gut gefüllten Kassen des Charlotte Motor Speedway, eines legendären Autorennens, mit dem Tresor einer Bank verbindet. Jimmys Bruder, der einhändige Irakkriegsveteran und Barmann Clyde (Adam Driver), kommentiert den Plan so: "Das sind viele Gedanken für einen Logan!"

Ebendiesem Nachdenken und Agieren in einem Milieu, das als bildungsfern, intellektuellenfeindlich und Trump-freundlich gilt, folgt Steven Soderbergh – auch durch das Erzähltempo seines Films. Langsam und stur wirken diese Leute aus dem Ursprungsstaat von immerhin acht US-Präsidenten, aber wenn sie einmal an Fahrt gewinnen, lassen sie sich nicht aufhalten. Bald ereignen sich verschiedene Dinge simultan, ohne dass man sie deuten könnte. Man ahnt jedoch, dass sie Teil von Jimmys Plan sein müssen – und findet sich als Zuschauer selbst vorgeführt: nämlich als auf der Seite derer stehend, die Leute wie die Logans notorisch unterschätzen. Die weißen Stiefel, die Kunstfaser-Kluft und die zehn Zentimeter langen Lackfingernägel von Jimmys Schwester Mellie! Und diese Frau soll einen Fluchtwagen fahren?!

Der Film folgt der Dramaturgie des Heist- oder Überfall-Movies und ist nebenbei auch Heimatfilm, soziokulturelles Porträt und zärtliche Verhohnepipelung von Popkulturphänomenen wie der Fernsehserie Game of Thrones oder dem Autorennen-Franchise Fast & Furious. Vor allem aber ist Logan Lucky eine aus dem sozialen Konflikt geborene, munter Haken schlagende Krimikomödie und als solche eine Freude (Daniel Craig hat zum Beispiel köstliche Auftritte als strohblondierter, naturwissenschaftlich versierter Safeknacker Joe "Peng" Bang).

Frustriert von Hollywood, hatte Steven Soderbergh vor vier Jahren seinen Abschied vom Kino erklärt, um für Fernsehsender wie HBO zu arbeiten. Logan Lucky markiert also eine Rückkehr, die möglich war, weil Soderbergh zufolge zwei Dinge zusammenkamen: das überzeugende Drehbuch der Debütantin Rebecca Blunt und die Möglichkeit, einen Film ohne Zutun eines großen Studios im Selbstverleih flächendeckend in die Kinos zu bringen. Ein Glück.