Die erste Reaktion auf Nordkoreas jüngsten Atomwaffentest muss die Verschärfung und strenge Durchsetzung der internationalen Sanktionen sein. Aber wir müssen auch langfristig denken.

Für Nordkorea sind seine Atomwaffen offenbar der Dreh- und Angelpunkt seiner Sicherheitspolitik, insofern bringt es nichts, einfach militärische Präventivschläge anzudrohen oder den Druck auf Pjöngjang zu erhöhen und darauf zu hoffen, dass Kim Jong Un schließlich sein Atomwaffenarsenal im Tausch gegen ein Ende der Sanktionen aus der Hand gibt. Es bleibt weiterhin erstrebenswert, aus Nordkorea ein atomwaffenfreies Land zu machen, aber das sollte auf kurze Sicht nicht unsere wichtigste Forderung sein.

Die USA – und Südkorea, China, Japan, Russland – sollten vielmehr das Ziel verfolgen, einen überprüfbaren Teststopp für Atomwaffen und Langstreckenraketen auszuhandeln. Weiter sollte die Produktion von Plutonium und hochangereichertem waffenfähigem Uran ausgesetzt werden. Nordkorea hat ein gewisses Maß an Bereitschaft für die Idee gezeigt, mit den Tests aufzuhören, wenn die USA und Südkorea im Gegenzug ihre großflächigen Militärmanöver einstellen. Allerdings erfordern es die amerikanischen Interessen auch, dass Nordkorea sein etwa 60 Sprengköpfe umfassendes Atomwaffenarsenal nicht weiter ausbaut. Das sollte unsere Mindestforderung sein, und die Einhaltung müsste genauso überprüfbar bleiben wie beim Iran-Atomabkommen von 2015.

Was könnte man im Gegenzug anbieten? Im Jahr 1994 wurde das Genfer Rahmenabkommen geschlossen; 2007 ging die Regierung Bush mit dem damaligen nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Il eine Vereinbarung ein, die Nordkorea schrittweise zu einem atomwaffenfreien Staat machen sollte. Die damals angebotenen Anreize können heute natürlich nicht erneut aufgelegt werden, denn zum einen hat Pjöngjang gegen diese früheren Übereinkünfte verstoßen, zum anderen würde Nordkorea diesmal deutlich weniger aufgeben als das, was sein damaliges Versprechen beinhaltete.

Insofern können die USA nicht mit einer Zusage für weitreichende Hilfen bei der Energieversorgung oder andere, ähnliche Formen von Entwicklungshilfe an den Verhandlungstisch treten. Ebenso verbietet es sich, die meisten Sanktionen, die die USA noch zu Zeiten des Kalten Kriegs gegen Nordkorea verhängt haben, zu lockern. Auch die Sanktionen der Vereinten Nationen, die es Dritten untersagen, Nordkoreas Waffenprogramme zu unterstützen, sollten von einer solchen Übergangsvereinbarung unberührt bleiben, denn sie allein würde in keiner Weise belegen, dass in Nordkorea ein echter Sinneswandel eingesetzt hat.

Aber es gibt andere Dinge, die wir anbieten können. Etwa ein Ende der gemeinsamen Truppenübungen, die Südkorea und die USA jährlich abhalten. Die negativen militärischen Folgen, die das Ende der Manöver für die Halbinsel hätte, ließen sich möglicherweise auffangen oder beträchtlich reduzieren. Selbst ohne Großmanöver sind doch immer noch kleinere Übungen möglich. Gemeinsam mit Seoul können wir in den Hauptquartieren und auf Planungsebene an der Verteidigung Südkoreas feilen. Wir könnten auch gemeinsame größere Manöver in Amerika abhalten. Die militärische Bereitschaft bliebe auf diese Weise erhalten, und Nordkorea hätte keinen Anlass mehr, mit unseren Truppenübungen sein Spiel mit dem Feuer zu rechtfertigen.

Auch die jüngsten UN-Sanktionen, die auf Nordkoreas Handel mit Kohle, Meeresfrüchten und Metallprodukten abzielen, könnten in die Verhandlungsmasse einfließen. Diese Sanktionen sind neu und waren explizit als Reaktion auf die Atomwaffen- und Raketentests der jüngeren Vergangenheit gedacht, insofern ergäbe es Sinn, sie aufzuheben, sollte Pjöngjang einem Ende der Tests zustimmen. Allerdings muss dafür gesorgt sein, dass die Sanktionen sofort wieder in Kraft treten, sollte Nordkorea vertragsbrüchig werden.

Ein Abkommen, das die Nuklear- und Raketenprogramme Nordkoreas einfriert, könnte erlauben, dass der Handel zwischen Nordkorea und China in großen Teilen wieder in Gang kommt. Südkorea und Russland könnte es gestattet werden, die wirtschaftliche Zusammenarbeit auszubauen.

Nordkorea werde niemals zustimmen, seine Programme einzufrieren, sagen einige. Wir sind der Ansicht, es lohnt sich, die Verhandlungsbereitschaft Pjöngjangs abzuklopfen.

Wieder andere wenden ein, eine Übergangsvereinbarung sage nichts darüber aus, ob auch ein langfristiges Abkommen zur nuklearen Abrüstung zustande kommt. Außerdem drohe die Zwischenlösung auf Jahre hinaus zum Normalzustand zu werden. Diese Meinung teilen wir, dennoch ist dies ein besseres Resultat als ein kriegslustiges Nordkorea, das Jahr um Jahr sein Waffenarsenal aufstockt.

Darüber hinaus vertreten wir die Ansicht, dass das Einfrieren des Atomprogramms unsere Allianzen eher stärken würde als der derzeitige Kurs. Dieser bringt nämlich mit sich, dass Nordkorea seine Möglichkeiten ausweitet, Südkorea, Japan und uns mit Atomwaffen anzugreifen.

Zweifelsohne sollten wir in den Verhandlungen mit Nordkorea hart bleiben, aber wir sollten keine Angst davor haben, uns überhaupt an den Verhandlungstisch zu setzen und zunächst einmal eine Übergangslösung auszuhandeln.

Aus dem Englischen von Matthias Schulz