Schüler soll man loben, wenn sie sich bemüht haben – warum nicht auch Schulpolitiker? Für Deutschland las sich der jährliche Bildungsreport der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung lange Zeit wie ein Mängelreport. "Das kannst du besser, Vier plus", so ungefähr lautete das Urteil der OECD, in Noten übersetzt.

Das diesjährige Zeugnis nun fällt deutlich besser aus: Die Ausgaben pro Schüler liegen über dem internationalen Durchschnitt, die Jugendarbeitslosigkeit (auch wegen der dualen Ausbildung) ist vorbildlich, die Rate der Kinder in der Kita kaum zu toppen, der Anteil der Studierenden in Naturwissenschaften und Technik weltmeisterlich. Hier und da scheint sogar ein gewisses Strebertum auf.

Natürlich finden die Oberlehrer aus Paris auch Durchschnitt oder gar Schlimmeres in den Bildungsstatistiken – aber selbst dort sehen sie Hoffnung auf Besserung. So mokiert sich die OECD wie jedes Jahr über die niedrige Akademikerquote hierzulande. Doch sie sagt ebenso: Die Deutschen holen bei den Studienanfängern auf, und zwar so stark wie kein anderes Industrieland weltweit. Deutschland erlebt eine zweite Bildungsexpansion nach dem ersten großen Aufbruch in den siebziger Jahren.

Die Kennzahlen stimmen also mittlerweile, bei der Qualität bleibt viel Luft nach oben, ob in Kita, Schule oder Uni. Leider ist der Sprung nach vorn hier noch teurer. Aber wenn alle mithelfen – nicht nur die Länder und Kommunen, auch der Bund –, ist auch das zu schaffen: "Deutschland, du kannst es noch viel besser."