In dunkelblauem Etuikleid und blauen High Heels klackert Alexandra von Rehlingen über das Parkett, dicht gefolgt von Hund Lola. Ihre PR-Agentur Schoeller & von Rehlingen gilt als eine der renommiertesten des Landes. In Hamburg ist von Rehlingen als perfekte Gastgeberin bekannt, die zusammenbringt, was Rang, Namen und Unterhaltungswert hat.

DIE ZEIT: Frau von Rehlingen, beschäftigt Sie das Thema Geld?

Alexandra von Rehlingen: Ich bin mit der Prämisse "Über Geld spricht man nicht" aufgewachsen – ebenso wenig wie über Krankheiten und Persönliches oder sogar über Essen.

ZEIT: Sind Sie in einem gastfreundlichen Elternhaus aufgewachsen?

Von Rehlingen: Gar nicht so sehr. Meine Eltern haben sich früh scheiden lassen, was zu der damaligen Zeit in den adligen Kreisen Bayerns schwierig war. Beide haben sehr zurückgezogen gelebt, waren überhaupt nicht gesellig, hatten keine großen offenen Häuser oder Salons. Ich weiß nicht, woher ich dieses Gen habe. Schon als Schülerin habe ich Mottopartys und Abendessen organisiert.

ZEIT: Erinnern Sie sich an Ihre erste große Party?

Von Rehlingen: Das war eine Geburtstagsparty Ende der Achtziger, ich war Mitte 20, Sinologie-Studentin. Ein Freund hatte ein spukiges Schloss in Süddeutschland geerbt. Wir feierten das "Gespensterfest", durchgestylt von A bis Z, mit neonfarbenen Leucht-Gespenstern. Ich habe es geliebt.

ZEIT: Haben Sie Ihr Studium abgeschlossen?

Von Rehlingen: Nein. Meine Geschäftspartnerin Andrea Schoeller funkte mit der Idee dazwischen, sich mit einer PR-Agentur selbstständig zu machen.

ZEIT: Wie gründete man 1986 eine PR-Agentur?

Von Rehlingen: Auf einer Papierserviette in einem Restaurant in München. Andrea sagte: "Ich weiß genau, dass du das kannst. Du kennst tausend Leute und bist kommunikativ."

ZEIT: Zu Ihren Kunden gehören heute Montblanc, Karl Lagerfeld, Salvatore Ferragamo. Wie haben Sie das geschafft?

Von Rehlingen: Uns kennen die Leute, der Kontakt ist zum Teil seit Jahrzehnten gewachsen. Unser Verteiler ist ein gut gehüteter Schatz. Er wächst und wandelt sich ständig wie ein lebendiger Organismus. Das funktioniert natürlich nur, wenn man selbst Mitglied dieser Gesellschaft ist.

ZEIT: Wie viele Personen sind in Ihrem Verteiler?

Von Rehlingen: Etwa 20.000 aktive Namen und Datensätze. Den harten Kern aus 3.000 Menschen habe ich immer präsent. Ich kenne viele Leute privat, weiß, wie sie ticken, ob sie Angst vor Hunden haben oder Vegetarier sind. Ob sie sich haben scheiden lassen oder planen auszuwandern.

ZEIT: Haben Sie den Verteiler versichert?

Von Rehlingen: Selbst wenn ein ehemaliger Mitarbeiter alle Daten klaut, könnte er damit nichts anfangen. Wenn die Leute zurückfragen, mit uns sprechen wollen und es nicht können, ist es an dieser Stelle schon gestorben. Je digitaler, je anonymer die Welt wird, desto mehr zählen echte Kontakte.

ZEIT: Haben sich die Bedürfnisse Ihrer Kunden im Laufe der Jahre verändert?

Von Rehlingen: Die Kunden werden immer anspruchsvoller. Verwöhnter. Je erfolgreicher wir arbeiten, desto höher wird die Messlatte gelegt.

ZEIT: Auf wie viele Veranstaltungen werden Sie eingeladen?

Von Rehlingen: Ich könnte jeden Abend irgendwo hingehen. 80 Prozent der Events sind in Berlin, der Nachtzug ist mein zweites Schlafzimmer.

ZEIT: Müssen Sie jede Einladung annehmen?

Von Rehlingen: Das ist ein give and take – wenn man nicht selbst hingeht, kann man sein Netzwerk nicht pflegen, dann wird es schwieriger mit den eigenen Einladungen.

ZEIT: Wie viele Stunden am Tag arbeiten Sie?

Von Rehlingen: Verräterisch ist, wann ich maile. Ich fange um 23 Uhr an, tagsüber komme ich nicht dazu. Dann warten mindestens hundert E-Mails in meinem Postfach. Die Leute sagen immer: "Geht’s noch? Du schickst mir um 1.30 Uhr eine E-Mail?" Ich maile bis tief in die Nacht und stehe auch relativ früh auf.