Am Montagabend habe ich mir hart aber fair angeschaut, jene Sendung, in der Frank Plasberg über dies und das diskutieren lässt, zumeist aber über Sicherheit und Flüchtlinge. Dieses Mal ging es um Sicherheit und Flüchtlinge. Alice Weidel war unter den Gästen. Und je öfter Alice Weidel zu Wort kam, desto sicherer wurde ich mir: Alice Weidel gibt es gar nicht. Alice Weidel ist eine politische Kunstfigur, dargestellt von Martina Hill von der heute-show.

Wie Hill hinter antrainierten Gesten, aufgesetzter Empörung und strengem Haarknoten den Menschen Alice Weidel komplett verschwinden ließ und nach jeder Äußerung ihre AfD-Spitzenkandidatin wieder ins kerzengerade Blond-Deutsche aufrichtete, um vergessen zu machen, dass die Alternative für Deutschland streng nach altem Mann riecht – das war von solch feinsinniger Überzeichnung, dass daneben Hape Kerkeling als Kanzlerkandidat Horst Schlämmer ("Isch kollidiere mit jedem") wie ein satirischer Grobmotoriker daherkommt. Als Heidi Klum war Martina Hill lustig, als Mandy von der Linkspartei großartig – als Alice Weidel ist sie genial. Cem Özdemir in der Rolle eines Grünen-Chefs, der nach der Wahl noch was zu sagen hat, war aber auch nicht schlecht.